Städtetrip der Extraklasse!

Hey, wollen wir mal schnell nach X, Y oder Z jetten? Ein bisschen shoppen, gut Essen, Neues entdecken?

Nein, so spontan war unser Städtetrip nach Venedig dann doch nicht. Wir waren immer noch in Kroatien und hätten eigentlich von unserem Ankerplatz knapp 2 Km Südlich von Rovinj aus einfach nur nach Norden segeln können und wären im nu an unserem Endziel Monfalcone gewesen.

Aber eben. Da drüben, zum greifen nahe lag Venedig, DAS Kleinod an der Adria. Die Chance konnten wir uns nun wirklich nicht entgehen lassen.

Die Entscheidung, Venedig zu besuchen war, wie gesagt schon länger gefallen und wir hatten uns einen strategisch gut gelegenen Ankerplatz gesucht – und mit diesem hübschen Plätzchen auch gefunden. Und so genossen wir noch den schönen Abend in der einsamen Ankerbucht.

Wir wollten am nächsten Tag vor Sonnenaufgang starten, um auch ja bei Tageslicht in der Lagunenstadt anzukommen. Es war ja immerhin schon November und da wurde es schon früh dunkel.

Noch in der Nacht hatten wir den Anker gelichtet und waren Anfangs flott unterwegs. Die knapp 60 Seemeilen würden wir auf diese Weise spielen schaffen. Der Skipper und die Crew waren glücklich. Uns schwebte schon vor, wie wir unter Segeln am Markusplatz vorbeisegeln würden, bestaunt von tausenden von Leuten, ha!

Doch leider flachte der Wind immer mehr ab, je mehr wir uns unserem Ziel näherten. Und kurz vor der Einfahrt zur Lagune war der Wind dann ganz weg und wir holten die Segel ein und liessen den Motor an. Aber dafür konnten wir die Durchfahrt durch Venedigs Jahrhundertbauwerk „Mose“, das Hochwasserwehr stressfrei durchfahren und genau inspizieren.

Und kaum hatten wir das Wehr passiert, da ging’s auch schon los. Von allen Seiten sausten Vaporetti (Venedigs Wasserbusse) an uns vorbei. Und auch sonst hatte es viel Verkehr auf dem Wasser und alle schienen es furchtbar eilig zu haben. Rush Hour? Oder waren wir zu langsam?

Aber es gab halt einfach zu viel zu sehen. Das „Forte Sant’Andrea“, diverse Abzweiger mit schönen Brücken, Kirchen und Palazzi, Werften, ein Flughafen für Kleinflugzeuge und eine der Brücken über den Canal de S. Elena, und, und, und.

Und dann schlugen unsere Herzen gleichzeitig schneller. Da vorne lag der Markusplatz mit seinem Weltberühmten Campanile!!

Und das ist der Moment, der mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben wird. AnnaSophie in Venedig. Ob es da vorne wohl eine Anlegestelle gab für uns? Sich mal kurz zwischen die Gondeln quetschen und einen Caffé trinken gehen? Nein, war nur ein Scherz. Wir wussten, dass am Markusplatz striktes Anlegeverbot galt für alles das nicht als „Gondola“ durchging. Und obwohl wir seit neun Jahren in der Weltgeschichte herumgondelten – als Gondel gingen wir definitiv nicht durch.

Und voilà! Die Piazza San Marco von UNSEREM Schiff aus. Leider war die Piazza fast leer und so hielt sich der Applaus in Grenzen. Aber das war egal, bei dem Anblick!

Weiter fuhren wir nicht mehr. Der Canal Grande war zwar sehr verlockend für eine Sightseeing Tour, aber dort hätten wir schon bei der ersten Brücke ein kleines technisches (20m hohes) Problem gehabt. Ausserdem war es ein langer Tag gewesen. Zeit, unseren Platz in der Marina aufzusuchen.

Und bald schon lagen wir in der Marina S. Elena am Steg und begossen diesen besonderen Tag mit einem Prosecco aus dem Valdobbiadene, das ja auch ganz in der Nähe lag.

Ma come sei bella, Venezia!! Buona Notte, ci vediamo domani!

Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuss auf den Weg. Zumindest bis zur Anlegestelle in der Nähe der Marina. Dort kauften wir uns gleich Drei-Tages-Karten für die Wasserbusse. Wir bestiegen eines der Vaporetti, das uns bis zum Markusplatz brachte.

Und dort gab es dann erst mal den Cappucchino, der uns am Vortag entgangen war mangels Anlegemöglichkeit. Autsch! War der teuer. Die mussten ganz offensichtlich den Monatsumsatz auf die zwei einzigen Gäste verteilen.

Uns war schon im Vaporetto aufgefallen, dass wir praktisch die einzigen Touristen waren. Es gab zwar noch mehr Leute, die mit Kameras und Stadtplänen bewaffnet unterwegs waren, aber die waren fast ausschliesslich Italiener.

Ausserdem herrschte strengstes Maskengebot und es gab sogar eine Ausgangssperre. Ab 18 Uhr mussten alle Ristoranti, Cafes und Bars schliessen. War also nix mit kulinarisch auf Entdeckungsreise gehen. Selber kochen war angesagt.

Dann ging’s weiter mit dem Vaporetto den Canal Grande hinauf, wo wir kurz vor der Rialtobrücke ausstiegen. Wir schlenderten über die Brücke auf die andere Seite…

…und entdeckten den Fischmarkt. Hier gab es aber nicht nur frische Fische, sondern auch sonst alles was das Herz begehrte! Blumen, Früchte, Gewürze…

…Fische und Krustentiere und schier unglaubliche Berge von Pilzen! Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Steinpilze auf einmal gesehen! Da konnten wir natürlich nicht dran vorbeigehen.

Und als wir dem Verkäufer deuteten, dass wir nur zwei, drei Steinpilze wollen, wollte uns dieser gleich ein Kilo davon einpacken! Oh Himmel! Wir wehrten ab und der Verkäufer pickte uns leicht verwirrt die drei grössten Pilze heraus. Stöhn! Waren nicht ganz ein Kilo, aber nahe dran…!

Wir deckten uns anschliessend noch mit allerlei Frischem ein und genossen das laute emsige Treiben um uns herum. Als ob es keine Pandemie gäbe.

Einkaufen machte durstig und wir entdeckten die „Osteria I Compari“ gleich neben den Marktständen. Wir setzten uns an einen der Tische draussen und bestellten unser Lieblingsgetränk, Prosecco. Dann sahen wir, dass am Nachbarstisch Austern gereicht wurden. Max und ich lieben Austern! Da konnten wir natürlich nicht zurückstehen und bestellten uns auch diese Delikatesse. Prosecco und frische Austern! La vita é bella!!

Dann ging’s wieder über die fast leere Rialtobrücke wieder auf die andere Seite und wir schlenderten noch ein weinig durch Venedigs Gassen.

Wir sahen atemberaubend schöne Palazzi und zwei Einheimische, die auf dem Weg zur Arbeit auf dem Markusplatz waren…

…wo bereits einige ihrer Artgenossen herumlungerten.

Dann stiegen wir wieder ins Vaporetto und genossen auf der Fahrt die Sehenswürdigkeiten.

Ohne Worte…

Und hier das Venezianische Hauptthema, auf zwei verschiedene Arten interpretiert. Wir entdeckten einen „Popup Store“ mit Hygienemasken. Da hatte offenbar jemand sehr schnell begriffen, dass ein gewisses Virus (ich nenne keine Namen) gekommen war, um zu bleiben. Ich war beeindruckt.

Und jetzt wusste ich endlich, woher die Krimiautorin Donna Leon ihre Inspirationen her hatte…!

Ohne Worte

Buona notte, Venezia, a domani!

Am nächsten Morgen gab’s wieder mal Hausgemachte Pancakes mit eher winterlicher Dekoration…

…als und die einsame Gondel auffiel, die sich offenbar in die Marina verirrt hatte. Ein älterer Herr mit zwei noch sehr jungen Gondolieri, aha. Ob die uns zu einer nicht bestellten Gondelfahrt einladen wollten?

Aber bald stellte sich heraus, dass der ältere Herr wohl der Lehrer war, der den beiden das Einparkieren einer Gondel in enge Hafenplätze beibringen wollte.

Aber bald waren wir wieder mit dem Vaporetto unterwegs, diesmal auf der nördlichen Route vorbei an der Marina S. Elmo, wo AnnaSophie brav auf uns wartete…

…durch das Seezeichen-Labyrinth der Lagune…

…vorbei am Arsenale mit der beeindruckenden Skulptur „Building Bridges“ von Lorenzo Quinn…

…einen Blick erhaschend in den Canal de le Galeazze, vorbei an der Friedofsinsel San Michele.

Kurz hinter der Ponte dei Mendicanti stiegen wir aus und stürzten und ins Getümmel der tausend Gassen.

Farben…

…Orte…

…und so ging das endlos weiter. Stundenlang durch die von Touristen befreiten Gassen schlendern und staunen.

Und irgendwann bemerkten wir, dass wir wie von einem Magneten gezogen wieder bei „unserer“ Bar gelandet waren. Sightseeing macht hungrig und so beschlossen wir, uns noch einmal Austern und Prosecco zu gönnen. Doch siehe da! Es gab keine Austern mehr. Alle weggeputzt. Schade. Der Kellner empfahl uns einen Meeresfrüchtesalat. Super! Der war auch lecker! Schnell ein Fot… oops… der Salat war schneller weg als ich auf den Auslöser drücken konnte.

Und wieder war ein wunderbarer Tag in einem entspannten Venedig vorbei gegangen Und sogar das Wetter hatte perfekt mitgespielt. Jeder Tag war sonnig und warm gewesen. Manchmal konnten wir unser Glück kaum fassen.

Neuer Tag, neue Pläne. Heute wollten wir die Laguneninseln Murano, Burano und Torcella besuchen. Und ich hätte gerne eine der vielen Glasmanufakturen besucht.

Und schon bald waren wir mit einem Wasserbus Richtung Murano unterwegs. Uns wurde deutlich vor Augen geführt wie unberechenbar diese Gewässer für Kielboote waren…!

Unsere erste Station war Murano, das Mekka für Glasfans. Doch schon bald musste ich enttäuscht feststellen, dass ALLE Glasmanufakturen geschlossen waren.

So würden also nichts werden mit meinem Ausflug in die Märchenwelt des Glases. Was soll’s, eh alles nur Kitsch, grrrrml.

Unsere nächste Station war die Insel Burano, berühmt für seine Gelati-farbenen Häuser. Einfach zauberhaft. Aber leider war alles zu. Wir fanden mit Glück eine Bar, in der wir schnell einen Cafè trinken konnten. Und langsam wurde es auch schon wieder dunkel. So entschieden wir uns, den Besuch von Torcello zu streichen und uns via Wasserbus auf dem Heimweg zu machen.

Auf der Heimfahrt wurde mir so richtig bewusst, was wir hier in den letzten paar Tagen eigentlich so alles erlebt hatten. Die entspannte Atmosphäre, das schöne Wetter, all die Köstlichkeiten, die stundenlangen und nie langweiligen Fahrten auf den Kanälen. Die tausend Gassen, die fast Menschenleeren Plätze – all das würde uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Arrivederci, Venezia bellissima! Für uns stand fest. Das war nicht unser letzter Besuch in der Lagunenstadt gewesen!

Ob wir es schaffen würden, nächstes Jahr wieder hier vorbei zu kommen?

 

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