Sevilla – ach…

Das Links im Bild ist das Riesenrad von Sevilla. Rechts im Bild sieht man den Club Nautico de Sevilla (37°22’10.11″N, 5°59’36.12″W). Da liegt (nicht sichtbar) AnnaSophie an der Mole. Und das in der Bildmitte ist die Klappbrücke Puente de las Delicias. Und die ist der Grund warum wir hier in Sevilla festsitzen, jawoll! Aber wir sind ja selber Schuld, wir wollten ja unbedingt mit dem Schiff bis nach Sevilla rein und jetzt lassen sie uns halt nicht mehr raus.

Überhaupt waren die letzten Tage wieder mal gezeichnet von Pleiten, Pech, Bisswunden, Paranoia und Pannen. Dabei fing alles so schlecht an…

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Flaute!!! Die Mutter aller Flauten erwischte uns auf den Weg von Albufeira nach Chipiona. Das war ja so was von frustrierend. Hatte es doch während unserer Zeit in Portimão stets wunderschönen Nord- oder Südwind gehabt. Und jetzt motorten wir durch ein Bodenseeartiges Gewässer. Und wir hatten uns so auf den Wind in unseren Segeln gefreut.

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Einen Vorteil hatte die Flaute jedoch: Max konnte seinen Arbeitsplatz von unten im Salon- nach oben ins Cockpit verlegen…

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Für Abwechslung und einen beschleunigten Puls sorgten wieder einmal – wie schon letztes Jahr in der Bucht von Cadiz – die Fischerboote. Und auch für sie waren wir offenbar eine willkommene Abwechslung vom öden Fischereialltag. So glaubten wir, dass der eine oder andere versuchte, uns mal so zum Spass ein bisschen zu rammen oder uns wenigstens zu erschrecken.

Aber die hatten die Rechnung ohne uns gewiefte Salzbuckel gemacht. Die konnten uns nichts anhaben, denn AnnaSophie ist sehr, sehr, sehr wendig.

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Und hier sieht man noch in Grossaufnahme, warum das hinter einem Fischtrawler durchfahren so gefährlich ist…

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Aber dann kam irgendwann einmal das hübsche Örtchen Chipiona in Sicht und wir drehten heil und ohne Stress in die Marina ein. Nach einer Dusche (die mit den kreischenden Leitungen). gingen wir noch auf die Suche nach WIFI. Denn seit wir Portugal verlassen hatten, war natürlich auch die Reichweite unserer portugiesischen SIM Karte zu Ende. Wir fanden dann aber eine Bar gleich bei der Marina, wo wir bei einem Glas Rioja noch die letzten Mails herunterladen konnten.

Am Samstag Morgen ging Max ins Marina Office, um uns in Chipiona ab- und in Sevilla anzumelden. Wir wollten ja heute die 50 Seemeilen den Rio Guadalquivir bis nach Sevilla hoch fahren. Da die im Club Nautico de Sevilla nicht englisch sprachen, hatte uns die nette Dame im Marina Office zugesagt, das für uns zu erledigen. Denn man musste sich genau überlegen, wann man losfahren musste, um rechtzeitig zu einer der seltenen Öffnungen des Wasserwehrs und der Klappbrücke kurz vor der Stadt nicht zu verpassen. Ausserdem gab es im Fluss massive Gezeiten und Strömung.

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Und während ich auf dem Schiff wartete, fiel mir ein Fotograf auf, der wie eine gestochene Hummel um einen kleinen Jungen im Matrosenkostüm schwirrte. Erst dachte ich an Modeaufnahmen. Doch dann entdeckte ich eine stolze und zahlreiche Familie, die den Buben immer wieder zum Posieren aufforderte.

Immer näher kamen sie unserer wartenden AnnaSophie und als ich beobachtete, wie der Fotograf immer wieder mal verstohlen das Schiff anschaute, stand ich schnell auf und fragte, ob er ein paar Fotos mit dem Schiff im Hintergrund machen wolle. Mein Vorschlag wurde mit Begeisterung angenommen und die Fotosession mit AnnaSophie begann. Und als ich dann den Buben noch aufs Schiff hob und er stolz in allen möglichen Positionen und sogar als Kapitän posieren konnte, wusste ich, dem hatte ich das Geschenk seines Lebens gemacht.

Ich hatte mich inzwischen aus dem Bild verdrückt und als sich die Mutter des Buben zu mir gesellte, bedankte sie sich mit feuchten Augen und meinte auch, dass ihr Sohn wohl der einzige seiner Klasse sein würde mit solch einmaligen Bildern. Als ich sie dann fragte, was denn der Anlass sei, sagte sie, dass es bei ihnen in der Gegend Tradition sei, dass die Buben als Seefahrer angezogen zur Erstkommunion gingen. Aha. Ich Depp. Das hätte mir auch einfallen können.

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Tja, und dann ging es los. Um halb 11, genau eine Stunde vor Niedrigwasser fuhren wir los. Perfekt. Das gab uns einen Vorsprung von mindestens 6 Stunden, bis die grossen und viel schnelleren Frachtschiffe in den Fluss einfahren konnten. Wohl mussten wir noch gegen die Strömung aus dem Fluss ankämpfen, aber die betrug nur noch einen Knoten und würde bald drehen.

Wir hatten auch gelesen, dass der Fluss so stark mit Sedimenten durchsetzt ist, dass unter Umständen der Tiefenmesser “Haywire”, sprich, durchdrehen kann. Aber der unsere zeigte wacker bis zum Schluss die genaue Tiefe an.

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Und so konnten wir den Rio Guadalquivir und seine Natur ohne Schiffsverkehr ganz für uns allein geniessen. Die Salzfelder hinter den Deichen konnten wir zwar nicht sehen, aber dafür die Überbleibsel aus Salzwirtschaftlich besseren Zeiten. Und Flamingos, die sich oft im Delta der Flussmündung tummeln, haben wir leider auch keine gesehen…

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Dafür waren unsere alten Bekannten, die Störche auch hier und hatten wiederum sämtliche Bauten in Beschlag genommen.

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Und offenbar gab es auch bei den Störchen einen Trend zurück zur Natur. Denn hier konnten wir zum ersten mal Storchennester in Bäumen beobachten.

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Irgendwann drehte sich dann die Strömung und das Wasser floss mit sage und schreibe drei Knoten den Fluss hinauf. Man kann das so schön an der Boje sehen wie das Wasser Flussaufwärts fliesst. Bizarr, nicht wahr?

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Auch Seekühe gab’s wieder mal zu sehen…

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…mehr oder weniger erfolgreiche grau gefiederte Jäger…

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…im Team lässt es sich besser jagen…

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Mensch und Tier schienen friedlich zu koexistieren. Ab und zu sah man einen Krabbenfischer. Fast unvorstellbar, dass hier Tonnenschwere Frachtschiffe durchpflügten.

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Und nach etwa sieben (!) Stunden einsamer Fahrt durch fast unberührte Natur kam dann der erste Frachter, der uns überholte.

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Und bald schon kamen die ersten Zeichen von Zivilisation in Sicht, Sevillas Vororte.

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Und nach achteinhalb Stunden Flussfahrt hatten wir es geschafft! Um sieben Uhr Abends hatten wir die Hochwasserschleuse kurz vor Sevilla erreicht und – mussten warten. Denn die Schleuse würde sich erst um 21 Uhr für Sportboote öffnen. Mahlzeit!

Und dass die hier nicht für Sportboote eingerichtet waren, konnte man sehen. Kein Wartesteg weit und breit. Und so hängten wir uns halt sehr kreativ an einen der supergrossen Poller für Frachtschiffe. Denn die konnten ungehindert an uns vorbei in die Schleuse einfahren und mussten nicht warten.

Als es dann endlich soweit war und wir in die Schleuse einfahren konnten, mussten wir auch dort „kreativ“ festmachen, denn es gab keine Klampen, keine Ringe, gar nix. Aber zum Glück ging es ja nur etwa 10 cm abwärts und schon bald waren wir durch das Nadelöhr durch.

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Da die Puente de las Delicias kurz vor dem Stadtzentrum definitiv heute Abend nicht mehr aufmachen würde mussten wir uns für eine Nacht in die Sun Sails Marina verholen. Unsere Lage am Aussensteg war zwar sehr exponiert aber wir verbrachten trotzdem eine ruhige Nacht.

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Wir liessen es uns aber trotz vorgerückter Stunde nicht nehmen, und fuhren per Taxi nach Sevilla und stürzten uns dort noch in die Flut der Nachtschwärmer. Und nach ein paar Tapas und Wein ging es dann zurück auf’s Schiff wo Max dann noch seine Sachen packen musste.

Er musste ja am nächsten Tag geschäftlich in die Schweiz zurück fliegen. Es durfte auf gar keinen Fall etwas schief gehen Morgen. Denn der Zug von Sevilla nach Madrid fuhr um 8:45 Uhr los. Die Brücke würde laut Plan um 8 Uhr öffnen. Es blieben uns fürs Einlaufen in die Marina und das Vertäuen also nur wenige Minuten. Ob das wohl klappen würde? Unruhig fielen wir in unsere Kojen.

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Am Sonntag früh, vor Sonnenaufgang ging es dann schon wieder los. Die Puente del V Centenario war kein Problem, die war doppelt so hoch wie unser Mast. Und kurz vor 8 Uhr standen wir vor der letzten Barriere, die uns von der Stadt Sevilla trennte, die Puente de las Delicias. Die war zum Glück nur wenige hundert Meter von der Marina entfernt.

Und die Brücke öffnete sich auch pünktlich und dann hatten wir es endlich, endlich geschafft!

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Zum Glück stand schon jemand von der Marina bereit und wies uns einen leicht erreichbaren Platz an und schwupp, war das Schiff fest an der Mole und schwupp, war Max auch schon mit dem Taxi auf dem Weg zum Bahnhof.

Und nun waren AnnaSophie und ich also allein und nachdem ich das Sonnendach montiert hatte (9 Uhr Morgens, 22°), einen Rundgang durch den in einem wunderschönen Park gelegenen Club Nautico de Sevilla (37°22’10.11″N, 5°59’36.12″W) gemacht hatte, wusste ich dass ich es wunderbar eine Woche lang hier aushalten konnte.

Oh Mann, ich hatte ja keine Ahnung, was hier alles auf mich zukommen würde…

0 Kommentare
  1. Hallo ihr zwei, vile dank für euri info,wo ihr sind und was ihr mached und erläbed ,mir ich bin immer gspannt uf euri nachricht ,und du liebi Doris würdsch e super Romanschriftstelleri, ganz liebi grüess vo de land eier vo wisidangen Hedy u albert.

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