Sardiniens wilder Westen

So, jetzt gings ans Entdecken. Die Isola di San Pietro und Carloforte lagen definitiv hinter uns und wir wollten der Westküste Sardiniens entlang nach Norden. Bei den Charterfirmen schien diese Ecke nicht wirklich beliebt zu sein, da es an Infrastruktur und Marinas mangelte. Also genau das richtige für uns.

Und schon die ersten paar Meilen hielten was sie versprachen. Wilde unberührte Landschaft und steile abweisende Küsten. Und dank genügend Wind wurde der Törn zu unserem ersten Ziel eine wunderbare Sightseeing Tour. Weit wollten wir heute nicht und nach einer Woche im Hafen wollten wir wieder mal Ankern.

Und nach 15 Sm hatten wir unser erstes Ziel schon erreicht, die Cala Domestica. Das sah ja schon mal vielversprechend aus! Es war Mitte Oktober und nur noch wenige Badegäste bevölkerten den Strand. Und es lag nur ein Boot vor Anker. Wir schmissen in der Mitte der Bucht den Anker und danach uns in die Fluten!

Nachher gabs Apéro und wir beobachteten mit viel Interesse die Schafe, die an der steilen Felswand friedlich äsend am Abgrund herumturnten. Aber keine Angst, es gab keinen Lammbraten zu essen, sondern Spaghetti Frutti di Mare, zubereitet wie immer von Smutje/Skipper One.

Nach und nach leerte sich der Strand und es wurde sehr sehr still in der Bucht. Nur das andere Boot, eine schnelle kleine Benneteau First mit einer dreier Crew und wir. Es war wieder einmal ein Moment, den man nicht mit Gold aufwiegen konnte. Wir staunten und starrten.

Der Sonnenuntergang färbte die Felswände um uns herum in sämtliche Nuancen von Rot, Ocker und Gold. Ein Schauspiel der Extraklasse!

Gigantisch!

Dinomanisch!!

Irgendwann aber verschwand Smutje/Skipper in der Koje und ich klemmte mich hinter den Computer. Aber leider nicht zu Bloggen, sondern zum Arbeiten. Burning the midnight oil, nannte man das im Englischen.

Ich hatte schon vor einem Weilchen einen grösseren Auftrag erhalten, den ich – WIFI sei Dank – häppchenweise erledigen konnte. Und Morgen stand wieder einmal eine grössere Übergabe bevor und es gab noch viel zu tun. Aber schliesslich war ich ja ein Profi, was konnte mir da schon passieren, ha!

Und so arbeitete ich zufrieden vor mich hin, immer wieder mal auf Geräusche wie Wind oder Wellen und das gewohnte ziehen von AnnaSophie an der Kette horchend. Aber alles was ich hörte, waren Geräusche der Kategorie Normal. Ich hatte bemerkt, dass sich das Boot immer wieder mal an der Kette drehte, aber das war normal.

So gegen drei Uhr morgens hatte der Wind zu- und mein Arbeitsberg abgenommen. Doch dann hörte ich plötzlich Geräusche, die zwar weit entfernt zu sein schienen, aber dennoch meine Neugier weckten.

Ich stieg ins Cockpit und sah, dass sich die Crew auf dem benachbarten Boot hektisch und mit Lampen bewehrt auf ihrem Boot hin- und her bewegten! Was war denn da los?!? Ich starrte ins Dunkel und versuchte zu erkennen, ob wir eventuell zu Hilfe eilen mussten. Aha! Ihr Boot hatte sich ganz offensichtlich auch gedreht, die Kette gespannt und sie waren nun der Felswand gefährlich nahe gekommen. Und offenbar wollten sie sich neu platzieren und holten dazu den Anker auf. Nach dem dritten oder vierten Versuch schien es dann zu klappen und die hektischen Männchen mit den leuchtenden Köpfen verschwanden wieder im Schiffsinnern und es kehrte wieder Ruhe ein in der Bucht.

Und auch ich war bald soweit, dass ich mich noch für ein paar Stunden in die Koje schmeissen konnte. Unser Boot lag ja gottseidank trotz gestreckter Kette immer noch wie einbetoniert in der Mitte der Bucht.

Am nächsten Morgen dann die Überraschung: WIFI weg! Shit!! Nicht schon wieder! Und ich musste Daten senden! Also, nix wie raus aus der Bucht und Antenne suchen! Auch unsere Nachbarn, die in der Nacht noch herumgeturnt waren, hatten – aus was für Gründen auch immer – offenbar schon die Flucht aus der Bucht angetreten. Wir konnten ihre Segel am Horizont sehen.

Und während ich steuerte, suchte der Skipper mit seinen Argusaugen die Küste ab auf der Suche nach einer Antenne. Und siehe da! Schon nach kurzer zeit hatte er so ein Ding erspäht und mithilfe seines Handys hatte ich bald wieder Verbindung mit der grossen weiten Welt!

Und währen der Skipper im Sichtwinkel der Antenne mit unserem Boot hin- und her kreuzte (wie viele Leute uns vom Land aus gespannt beobachteten will ich gar nicht wissen), konnte ich meine Arbeiten zum Kunden schicken und sogar noch kleinere Korrekturen erledigen. Dabei half die Schwimmweste natürlich ungemein… 😉

Nachdem alle Daten zur Zufriedenheit des Kunden abgeschickt waren, liessen wir das Boot treiben und assen gemütlich Frühstück. Das hatten wir uns verdient! Und nach der Arbeit kam dann endlich das Vergnügen…

Ja, das war ein Segel Tag ganz nach unserem Geschmack gewesen! Und dass wir dabei die Nachbarn von letzter Nacht noch fast eingeholt hatten, das war so ein kleines befriedigendes Zückerchen dazu gewesen. Als wir in der Bucht von Oristani vor der Hafeneinfahrt unser Segel einrollten sahen wir erstaunt, wie die Nachbarn den Fischereihafen ansteuerten. O.k.?!? Ja, dann würden wir die wohl nicht mehr kennenlernen heute. Wir jedenfalls steuerten zielsicher die Marina an und wurden von einem mit den Händen fuchtelnden Marinero in einen Platz eingewiesen und vertäut.

Während wir uns noch mit dem Marinero unterhielten bemerkten wir, dass sich unsere Nachbarn von letzter Nacht wohl eher in der Einfahrt geirrt hatten, bogen sie nun doch noch um die Ecke und wurden vom Marinero an den Platz neben uns eingewunken. Freundlich wie wir sind, wollten wir den dreien (2 Männer, 1 Frau) behilflich sein, bemerkten aber schnell, dass dicke Luft zu herrschen schien auf dem Boot.

Freundlich winkend verzogen wir uns in unsere Kuchenbude, nicht nur wegen der dicken Luft sondern auch weil es inzwischen ordentlich angefangen hatte zu regnen. Super! Ich holte mir meinen Computer in die Kuchenbude und arbeitete noch ein bisschen, während der Skipper in der Capitaneria die Formalitäten erledigte.

Irgendwann bekam ich mit, dass der Ton auf dem Nachbarboot immer lauter wurde. Und als dann die Frau aus dem Boot stürmte und offenbar der Skipper ihr wüste Beschimpfungen in Englisch hinterher schickte, war es definitiv Zeit, den Kopf ganz einzuziehen. Ich packte meinen Computer zusammen und verzog mich ins Bootsinnere.

Bald kam der Skipper zurück und verwandelte sich wieder in den Smutje und bereitete uns ein leckeres Abendessen zu. Später begossen wir bei einem Glas Wein unseren erfolgreichen Tag und stiessen noch einmal doppelt auf die bei uns herrschende friedliche Stimmung an. Dicke Luft an Bord ist bei uns Inexistent.

Am nächsten Tag sah die Welt, und vor allem der Golfo di Oristano wie frisch gewaschen aus! Und unsere zänkischen Nachbarn waren offenbar schon wieder weiter.

Leider stand es aber heute mit dem Wind nicht so zum Besten. Und so motorten wir erst mal gemütlich aus der Bucht, bevor wir Segel setzten konnten. Aber es gab eh einiges zu sehen an Land wie zum Beispiel die Archäologische Siedlung Tharros und der markante Torre Costiera di San Giovanni.

Als wir das Kap San Marco passierten, hatten wir einen wunderbaren Blick auf das schöne Gebäude des Faro di Capo. Hach, da vergass man fast auf die Richtung zu achten, so klebten wir mit den Augen an dem Ding.

Wir segelten diesmal in gemässigtem Tempo der Küste entlang und bewunderten die wilde Landschaft. Die hohen schroffen Felsen waren in eine fast Englisch anmutende Küste übergegangen

Kurz vor Porto Mandriola holten wir die Segel ein und warfen Anker. Wir überlegten uns, ob wir Seppi satteln und an Land sollten. Aber so richtig motiviert waren wir nicht. Strandbar war eh keine in Sicht und der Ort machte auch sonst einen ziemlich verlassenen Eindruck.

Ausserdem schwappte eine unangenehme Dünung direkt in die Bucht hinein und AnnaSophie zickte ziemlich herum. Nö. Hier bleiben wir nicht. Wir lichteten den Anker und motorten um die Landzunge herum.

Genau rechtzeitig warfen wir den Anker, um noch das Sonnenuntergangs-Schauspiel am Himmel mitverfolgen zu können. Wow! Und das Boot lag ruhig und sicher in der Bucht von Sa Marigosa. Ja, dieser Seitenwechsel hatte sich wahrhaftig gelohnt.

Was und wohl morgen alles erwarten würde?!

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