Sardiniens Süden

Nachdem wir einen schönen Sommer (Juli bis Mitte September) in der Schweiz verbracht hatten, waren wir dennoch mehr als bereit, wieder auf’s Wasser zu kommen. Diesmal sollte es ein definitiver Abschied von Sardinien sein. Wir hatten vor, die Ostküste ein letztes mal zu besegeln, noch einen kurzen Schlag nach Tunesien zu machen und uns dann endlich mal die Westküste Sardiniens anzuschauen. Danach sollte es via Korsika an die Côte Azur gehen, wo wir das Boot irgendwo überwintern wollten.

Also, diesmal fasse ich mich kurz. Am 19. September sind wir von Zürich losgefahren. Für einmal nicht nach Genua, sondern nach Livorno. Abwechslung muss sein. In Livorno wie üblich 2 Stunden lang den richtigen Fährenanlegeplatz gesucht. Fährenanlegeplatz per Zufall gefunden und festgestellt, dass die von uns gebuchte Fähre (ausnahmsweise eine Tagesfähre) einen Motorenschaden hatte und heute nicht fahren würde. Oder wie die Italiener sagen: forse sì o forse no! Vedremo…

Perfetto! Was nun?! 1 Stunde lang auf News gewartet, ohne Erfolg. Fähre umgebucht auf Nachtfähre. 6 Stunden zum Tot schlagen übrig. Was machen? Pisa und Lucca besuchen. Yep! Andiamo!!

Schiefen Turm von Pisa bewundert. Nach Lucca gefahren. Dort Stadt besichtigt und einen 5l Kanister und mehrere Liter in Flaschen Lucca Olivenöl gekauft. Buonissimo!! Wieder zurück nach Livorno. Strand bewundert.

Nachtfähre erwischt. Geschlemmt wie die Fürsten, gepennt wie die Steine.

In Olbia ausgeschlafen angekommen. Zur Werft gefahren. Krempel ausgeladen und auf AnnaSophie verfrachtet. Skipper One mit Auto zurück in die Schweiz, Skipper Too hält Stellung und bereitet das Boot fürs EInwassern vor. Skipper One mit Flieger wieder nach Olbia. AnnaSophie ins Wasser geschmissen und ab durch die Mitte.

Und so kam es, dass wir Olbia und die Nausika Werft schon bald in unserem Kielwasser hatten. Diesmal war es ein Abschied für lange Zeit. Und wie es sich für einen Abschied gehörte, zeigte sich das Wahrzeichen von Olbia, die Insel Tavolara, von ihrer besten Seite.

Es hatte genügend Wind und wir kamen gut voran. Auch die für diese Küste so typischen Winddreher von bis zu 180° durften wir wieder erleben und mussten eine Zeit lang ordentlich mit den Segeln herumfuchteln, um vorwärts zu kommen.

Den ersten Halt machten wir wieder in der Bucht von Porto Frailis. In dieser wunderbar geschützten Bucht verbrachten wir einen angenehmen Abend.

Am nächsten Tag planschten wir noch ausgiebig in der schönen Bucht, lichteten erst spät den Anker und segelten der Küste entlang in die Nacht. Da wir diese Küste inzwischen schon so oft befahren hatten, konnten wir uns das erlauben. Routiniert warfen wir kurz vor Mitternacht in der Bucht von Porto Giunco den Anker. Nach dem Nachtessen schmissen wir uns sogar noch einmal in die Fluten! Die Nacht war einfach zu schön um schon ins Bett zu gehen.

Auch am nächsten Tag sah die Welt gar nicht mal so übel aus! Die Bucht war praktisch frei von Booten und das Wetter heiss genug, um den Mojito-Express zu satteln und Kurs auf die Strandbar zu nehmen. Erst nach dem Anlanden erkannten wir, dass der Strand praktisch leer war! Tja, es war Anfang Oktober, die Saison war definitiv vorbei.

Und auch die Strandbar war praktisch leer. Nur noch wenige Gäste genossen die Ruhe und die Sonne. Und wir waren happy, hatten wir doch noch einen Mojito ergattert, bevor die Bar den Laden dicht machte.

Wir schlenderten noch den Strand entlang und ich konnte noch ein paar schöne Fotos machen von der in sanfte Abendsonne getauchten Natur. Den Rest des Abends verbrachten wir auf dem Boot und bereiteten uns auf die Überfahrt nach Tunesien vor.

Auch den nächsten Tag verbrachten wir an Bord und genossen entspannt das schöne Wetter. An diesem Abend wollten wir Anker lichten und Richtung Tunesien segeln. Wir brauchten wieder einmal einen Mehrwertsteuer Stempel. Diesmal sollte es nur ein kurzer Abstecher werden. Und wir hatten sogar beide Pässe mit dabei! Easy peasy! Das Wetter war gut und wenn wir heute noch losfuhren, würden wir noch vor dem nächsten Unwetter in Tunesien sein. Perfetto.

Doch je später der Tag wurde, um so dunkler wurde der Himmel. Es begann zu winden und wir beobachteten gespannt im 5 Minuten Takt die Wettervorhersagen. Und siehe Da! Das Unwetter, das sich am Morgen noch behäbig Richtung Sardinien bewegt hatte, war nun schon bedrohlich nahe. Was nun? Wir beratschlagten hin und her und liessen den Wetterbericht nicht mehr aus den Augen.

Rein theoretisch fuhren wir ja nach Süden, also würde das Unwetter laut Vorhersage hinter uns durchziehen. Müsste passen. Und AnnaSophie war ja kein Joghurtbecher. Die hatte schon ganz anderes weggesteckt. Und so entschieden wir uns, es zu wagen und kurz nach sechs Uhr lichteten wir Anker.

Wir hatten das Capo Carbonara noch nicht einmal quer ab, als der Sturm so richtig zulegte. Zu unserem Schrecken sahen wir, dass nicht nur hinter uns die Blitze zuckten, sondern auch vor uns und schon bald blitzte und zuckte es rund um uns herum!

O.k. Das war jetzt so nicht geplant gewesen. Wind und Wellen konnten uns schon lang nicht mehr schrecken, aber Blitz und Donner… das war nicht ganz so unser Ding! Es war nicht Sinnvoll, schon am Anfang eines Törns eventuell die Instrumente zu verlieren wegen Blitzeinschlag.

Und so entschieden wir uns schon nach wenigen Seemeilen zum Übungsabbruch, bargen bei Discobeleuchtung und starkem Regen die Segel und kehrten um. Da wir das Capo Carbonara schon gerundet hatten, entschieden wir uns, in den Hafen von Villasimius zu fahren und dort abzuwettern.

Inzwischen fühlten wir uns wie in einem Hexenkessel und einen Moment lang standen wir vor der bangen Frage, ob wir überhaupt in den Hafen hinein kommen würden. Denn das Einfahren in einen Hafen bei solchem Wetter war äusserst tückisch und schon mancher Crew zum tödlichen Verhängnis geworden! Inzwischen war es Stockdunkel und wir tasteten uns vorsichtig an die Einfahrt heran. Doch wir hatten Glück! Da die Einfahrt recht gross war und den Wellen abgewandt, steuerte der Skipper das Boot geschickt und sicher in den Hafen.

Bei strömendem Regen und heftigem Blitz und Donner legten wir uns an einen freien Platz. Ich rutschte zwar beim Absteigen auf dem nassen Steg aus und landete zwar unsanft auf dem Hintern, aber wenigstens nicht im Wasser. Und gesehen hatte es niemand. Also, aufstehen, Krone richten und weiter Boot sichern.

Und schon bald konnten wir im warmen Bauch des Schiffes dem Prasseln des Regens zuhören und uns entspannt zurücklehnen und heimisches Schaffen kredenzen.

Yep! Es war die richtige Entscheidung gewesen umzukehren. Denn am Anschluss daran sassen  – oder lagen – wir für drei Tage fest! Das Wetter hatte sich zum Orkan entwickelt und schien gar nicht mehr enden zu wollen.

Und so sah es dann bei Tageslicht aus. Kaum glaubte man, einen kleinen Lichtstrahl am Himmel entdeckt zu haben, brauchte man sich nur umzudrehen, um auf der anderen Seite schon die nächste Gewitterfront heranziehen zu sehen.

Zum Glück gab es in der Marina einen kleinen aber feinen Supermercato, bei dem wir uns mit feinen Italienischen Spezialitäten eindecken konnten. Und ab und zu blieben wir an der einen Bar, die noch offen hatte hängen und genehmigten uns ein «Trösterli», währen draussen der Regen wütete.

Am vierten Tag schien sich die Lage beruhigt zu haben und wir wagten uns auf den Weg. Die See war immer noch aufgewühlt, aber dafür war der Wind super. Und so flitzten wir regelrecht gen Tunesien!

Ab und zu flammte rund um uns herum das eine oder andere Wetter auf, aber wir kamen unbeschadet in die Nacht. Doch bevor Skipper One auf Freiwache ging, refften wir zur Vorsicht beide Segel und schon bald flitzte ich allein durch die Stockdunkle Nacht. Aber argwöhnisch und mit aufgestellten Nackenhaaren beobachtete ich das Wetterleuchten um mich herum. Nein, ich war definitiv kein Freund von Blitz und Donner beim Segeln.

Und dann erwischte es uns doch noch! Ein Gewitter überrollte uns mitten in der Nacht wie eine Dampfwalze und bei infernalischem Getöse mussten wir die Segel bergen. Scheisse, das wäre jetzt wirklich nicht nötig gewesen. Und an entspannt Wache gehen war nicht mehr zu denken und so verbrachten wir beide die Nacht an Deck, immer wieder mal Segel korrigierend. Der nächtliche Adrenalinschub hatte das Schlafen unmöglich gemacht.

Und bis wir die Küste von Tunesien erreicht hatten, waren wir beide schon ziemlich durchgeschüttelt und übernächtigt, aber sonst wohlauf. Leider war uns kurz vor dem Ziel auch noch die Luft ausgegangen und wir mussten die letzten paar Meilen bis Bizerte unter Motor zurücklegen.

Bei der Ankunft in Bizerte wiederholte sich das gleiche Spiel wie im Jahr zuvor. Wir wurden freundlich begrüsst, von Polizei und Zoll auf Herz und Nieren geprüft, mussten ein wenig Bakschisch abdrücken, bekamen aber dafür gleich unsere Pässe und die Papiere zurück und wurden mit den Worten «Bienvenu, enjoy your stay» verabschiedet und fielen müde in unsere Kojen.

Nachdem wir wieder wach waren, schien die Sonne einladend auf uns herunter und wir machten uns auf den Weg in die Stadt. Nachdem wir letztes Jahr noch umhergeirrt waren, um Lebensmittel aufzutreiben, konnten wir diesmal zielstrebig unsere Einkäufe erledigen. Und diesmal fanden wir die gute Seite des Frischmarktes auf Anhieb. Seid umschlungen, ihr Melonen!!

Wir brachten die Sachen zurück zum Schiff und konnten einem akustischen Spektakel der Extraklasse beiwohnen…

DIe Stimmung im Hafen, der Sonnenuntergang und die Gesänge der Muezzine, das war einfach nur schön!

Anschliessend gab’s noch eine Apéro in einem Srassencafé und das Dinner im Club Sport Nautique (Marine Club Restaurant) im Hafen wollten wir und auch nicht entgehen lassen. Dort gab ein feines Abendessen auf der Terrasse. Den Schlummertrunk nahmen wir auf unserem Schiff zu uns. Und dann war schon bald Lichterlöschen.

Nach einem gemütlichen Frühstück legten wir schon bald ab und konnten schon praktisch hinter der Hafenmole Segel setzten. Aber so richtig zügig ging das nicht voran. Und so musste Speedi-Geni ran.

Und dann konnten wir unser Glück kaum glauben! Kaum waren wir aus der Landabdeckung raus, nahm unser Bootchen fahrt auf und wir sausten mit schönstem und vor allem beständigen Wind gen Norden! Das Wasser war wie ein Samtteppich, keine Spur mehr von den argen Wellen, die uns vor drei Tagen noch so heftig durchgeschüttelt hatten.

Wie schafften es sogar, die Frachterstrasse mit Gennaker zu passieren, yay! Offenbar schienen sich sogar die Frachter Kapitäne an dem schönen Bild das wir abgaben, zu erfreuen: weisses Boot mit weissem Gennaker auf blauem Meer und vor strahlend blauem Himmel. Da gaben sie wohl gerne das eine oder andere Grad Kurs dazu. Und wir zwei grinsten mit dem Wetter um die Wette!

Kurz vor Sonnenuntergang packten wir Geni seufzend wieder weg. Das waren vier Stunden perfektes Segeln gewesen. Nur:  mit dem Gennaker durch die Nacht, das wollten wir nicht. Zu stressig. Wir setzten Segel und konnten Spaghetti Bolognese bei Sonnenuntergang entspannt geniessen, Autopilot sei Dank!

Als dann die Dunkelheit kam, mussten wir uns gestehen, dass dieser Törn fast nicht mehr zu toppen war. Alles war perfekt! Für solche Momente…

Aber Skipper und ich mussten grinsend feststellen, dass alles schon so perfekt war, dass es uns die Nackenhaare aufstellte! Als Segler weiss man eben mit Gewissheit: da kommt was nach!

Aber wir schafften es diesmal ohne böse Überraschungen durch die Sternenklare und wunderbar milde Nacht. Am Morgen hatte der Wind sogar noch zugelegt, kam aber diesmal von Hinten. So wurden wir unserem nächsten Ziel regelrecht entgegen gepustet. Heia! So machte das Segeln wirklich Spass.

Aber offenbar hatten nicht alle so viel Spass wie wir. Über Funk hörten wir von losgerissenen und in Not geratenen Booten. Und auch das Segelboot, das ganz in unserer Nähe immer wieder mal die Richtung wechselte und wir echt nicht draufkamen, wohin der eigentlich wollte, beobachteten wir gespannt und zunehmend argwöhnischer. Es schoss unter Vollzeug immer wieder in die Sonne, sprich, neigte sich erst zur Seite und drehte sich anschliessend aus dem Wind, wurde dadurch abrupt aufgestellt, nur um sich gleich wieder stark zu neigen, usw.

Irgendwann hatte er offensichtlich genug und drehte ab Richtung Küste und einem sicheren Hafen. Wir konnten uns wieder entspannen, wir brauchten nicht zu Hilfe zu eilen.

Und dann kam auch schon unser Ziel in Sicht, die Isola di San Pietro! Yep! Genau die, an der wir einfach nicht vorbei kamen und dessen Hauptort Carloforte uns so ans Herz gewachsen war!

Ach! Was gab es Schöneres, als nach einem so schönen Törn einen Anleger in einer Bar am Corso Battelieri zu geniessen!

Danach schlenderten wir noch durch das hübsche Städtchen und mussten feststellen, dass die Saison definitiv vorbei war. Nicht einmal all die Nonnos, die hier sonst auf ihren Stöcken abgestützt, das geschäftige Treiben auf der Piazza Repubblica verfolgten, waren hier. Schade.

Insgesamt blieben wir doch tatsächlich 6 Tage in Carloforte hängen. Und wir genossen jeden Tag! Einerseits war es das Wetter, das uns nicht wirklich verlockte (es regnete und stürmte viel), andererseits war es einfach zu schön hier.

Wir lagen schön eingenistet zwischen zwei grossen Pötten und genossen sogar den Regen. Und wenn die Sonne schien, dann wurde Wäsche gewaschen und wir verwandelten unser Boot kurzzeitig in eine Wäschehänge. Nullo Problemo – bei soooo vielen Leinen an Bord…

Irgendwann lernten wir noch ein Schweizer Pärchen kennen, Alexandra und Dani. Auch sie waren hier mit ihren Charterboot wegen Regens hängen lieben waren. Wir luden sie zu einer Besichtigungstour auf unser Boot ein und beim anschliessenden Apéro konnten wir wieder mal so richtig Stegschnak klönen.

Wenig später liehen wir ihnen unsere Brommies aus, mit denen sie die Insel erkunden konnten. Am Abend luden sie uns dafür zum Essen in einer Trattoria ein. Und wieder wurde es ein schöner Abend bei guten Gesprächen.

Wir trafen sogar Bekannte wieder, die wir schon vor zwei Jahren hier kennengelernt hatten, Mel und Margaret aus England und ihr Selbstbau Katamaran «Duet». Was gab es da nicht alles zu erzählen!! Da Margaret eine ehemalige Journalistin war, hatte sie das Geschichten erzählen natürlich voll drauf und auch Mel, ein pensionierter News-Fotograf, begeiserte uns mit witzigen Geschichten aus England. Es war ein absoluter Genuss, den beiden zuzuhören.

So erfuhren wir auch, dass sie untröstlich darüber waren, eines Tages aufgewacht zu sein und erfahren zu haben, dass sie seit diesem Tag nicht mehr zur EU gehörten. Wir glaubten ihnen aufs Wort, hatten wir doch selten ein so weltoffenes und freundliches Britisches Pärchen kennen gelernt.

Wir erfuhren auch, dass sie sich nun – altershalber, aber schweren Herzens – von ihrem selbst gebauten Katamaran trennen wollten und fortan nur noch zu Hause in Grossbritannien segeln würden. Ein Interessent würde in den nächsten Tagen hier auftauchen. Ich konnte ihren Herzschmerz absolut nachvollziehen.

Dank der inzwischen von Touristen entleerten Insel fanden wir in unserer Lieblingspizzeria, der Pizzeria EOS auf anhieb einen Platz! So eine Nachsaison hat also ganz schön Vorteile.

Ach, Carloforte, wir lieben dich! Und trotzdem werden wir dich morgen verlassen. Das Abenteuer ruft…!

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