Mission «Wandering Star» Part 2

Bremerhaven wird umschmeichelt von einem Fluss Namens Geeste und diese Geeste hatte es ganz schön in sich. Sie wand und zierte sich bis zum Gezeitenwehr, das 4 Km ins Landesinnere gebaut worden war. Von dort an wurde der Fluss zum Kanal, der die Weser mit der Elbe verband. Ausserdem war der Wasserstand bis dorthin von den Gezeiten der Nordsee beeinflusst.

Aber halt, erst mal wollte Skipper Treibstoff bunkern. Heinz hatte schon am Abend vorher ausgerechnet, wann wir morgens früh Ablegen mussten, um genügend Zeit zum Tanken zu haben UND es vor Hochwasser durchs Wehr zu schaffen. Sonst wären wir für ein paar Stunden hängen geblieben. Und durch dieses Nadelöhr mussten wir durch.

Zeitig legten wir ab, quetschten uns wieder durch die Hafenschleuse in die Weser und fuhren Richtung Neuer Hafen, wo die Tankstelle lag. Dort war aber schon von Weitem klar, dass die Tankstelle erst in einer Stunde geöffnet war. Bis dann würden wir nicht mehr durchs Gezeitenwehr passen und so fuhren wir ohne zu tanken weiter.

Und so schlängelten wir uns, immer wieder mal die Köpfe einziehend, mitten im Fahrwasser durch den südlichen Teil von Bremerhaven. Ein Auge stets auf der Uhr und eines auf dem Tacho. Und ab und zu wurde es ordentlich knapp, ausnahmsweise nicht unter dem Kiel, sondern für die Mütze…!

Brücke um Brücke, Kurve um Kurve meisterten wir, bis endlich die Eisenbahnbrücke und Schleuse des Tidensperrwerks in Sicht kamen. Die Augen des Brückenwarts waren gross wie Unterteller, als Heinz frech und mit einem routinierten «ach, das reicht» in die Schleuse einfuhr. Mir blieb die Spucke weg! Da hatte keine Handbreit mehr Platz!!!

Als wir nach der Schleuse in den Elbe-Weser Kanal einfuhren, meinte der Skipper nur «10 Minuten später und wir wären wohl stecken geblieben…»!!

Aber schon bald konnten wir – wenn auch nicht entspannt – die schöne Landschaft in vollen Zügen geniessen, trotz des Nieselregens. Die Kurven des Flusses waren immer noch so eng, dass ein Fahren mit Autopilot nicht möglich war. Sprich, wir mussten die ganze Strecke konzentriert am Steuer sein. Aber wenigstens konnte wir uns abwechseln. Mir machte das unheimlich Spass!

Nach etwa 13 Seemeilen erreichten wir die Schleuse Bad Bederkesa. Die Schleuse konnte per Knopfdruck bedient und am Automaten bezahlt werden. Cool. Das war doch mal was Neues. Nur, hatten wir genügend Kleingeld?

Zum Glück war ein Schleusenwart anwesend, der uns bei der Bedienung des Automaten behilflich war und offenbar ganz froh war, dass jemand Zeit für ein Schwätzchen hatte an diesem grauen Tag.

Nach dem Einfahren in die Schleuse galt es noch einen Knopf zu drücken, oder besser gesagt, weit über die Reling gelehnt zu erwischen, um ausfahren zu können.

Danach ging es durch die Regen verhangene Landschaft und ich musste wieder einmal mehr zugeben, dass auch Regen seinen Reiz hatte.

Der Verbindungskanal Elbe-Weser war inzwischen Fadengerade und nur ab und zu von einer Strassenbrücke überspannt. Man merkte, dass dies der künstlich angelegte Teil des Kanals war. Aber trotz der fehlenden Biegungen mussten wir nach wie vor von Hand steuern, da es hier nach rechts oder links nicht viel Toleranz gab für Fehler.

Ab und zu schien es so als ob uns bald die Handbreit Wasser unter dem Bug ausgehen würde…und mir ging mehr und mehr die Muffe. Aber ein Blick zum Skipper beruhigte mich wieder. Der schien das Schlüpfen durch dieses Nadelöhr sogar zu geniessen.

Irgendwann instruierte der Skipper seine Crew, nicht nur die Antennen und die Sprayhood abzumontieren, sondern auch noch die Windschutzscheiben. Oha! Ein Blick nach Vorne und ich erstarrte! Ähm Heinz, bist du sicher dass wir…

Phew! Geschafft! Das war Nervenkitzel pur.

Und nach ein paar wenigen Seemeilen kam dann das Gezeitenwehr, das uns von den Wassern der Elbe trennte. Auch das war wieder sehr interessant, mussten wir doch im Anschluss an die Schleuse durch einen richtigen Tunnel. Oh wow! Das war ganz schön spannend gewesen.

Und das ablaufende Wasser der Elbe reichte grad noch um in der Marina von Otterndorf an den Steg zu gelangen. Wow! Das war knapp gewesen

Am selben Steg lag auch noch eine junge Dreiercrew, die uns vergnügt von ihrem nassen und ungemütlichen Törn Nach Helgoland. Oder besser gesagt, vom Versuch, bei diesem Schietwetter nach Helgoland zu segeln. Und davon, dass es einfach zu viel wurde mit der Zeit und sie froh waren, wieder unbeschadet im Hafen zu liegen.

Ich musste auf den Stockzähnen grinsen. Yep! Been there, done that! Im November des Jahres 2011 hatten Skipper Max und ich ein Schwerwettertraining zwischen Hamburg und Helgoland absolviert! Oh Boy, über den Höllen-Trip muss ich auch irgendwann mal berichten.

Das Wetter war inzwischen ziemlich übel geworden und so verbrachten wir wieder einmal mehr einen gemütlichen Abend im Schiffsinnern bei einem feinen Käpn’s Dinner und einem…o.k. mehreren Gläschen Rotwein. Und das Seemannsgarn würde uns zwei alten Salzbuckeln ja noch lange nicht ausgehen.

Am nächsten Morgen machten wir uns bereit zum Auslaufen. Skipper hatte ausgerechnet, dass wir mit dem ersten in die Elbe einlaufenden Wasser am besten auf die andere Seite, nach Brunsbüttel kommen würden. Dass hiess, dass wir nicht gerade viel Wasser unter dem Bug hatten, um aus dem Hafen raus zu kommen. Wir hatten sogar einige Zuschauer, die unser Manöver eher skeptisch verfolgten. Aber es klappte und wir wurden vom Einlaufenden Wasser Richtung NOK Schleuse gespült. Schiffsverkehr hatte es zum Glück nicht viel, nur einige dicke Brummer machten uns den Platz streitig.

Im Warteraum gleich neben der Schleuse tänzelten schon ein paar wartende Segelboote umher und nachdem die Signalanlage der Schleuse auf Einfahren geschaltet hatte, ging das Rennen um die besten Plätze in der Schleuse los.

Aber Platz war genügend vorhanden und so konnte ich entspannt an die Sache mit dem schlüpfrigen Schwimmsteg herangehen. Ja genau, das glitschige Monster, das mir vor ein paar Jahren das Leben schwer gemacht hatte. Aber diesmal war ich gewappnet und wir lagen ratzfatz sicher vertäut am glitschigen Steg.

Kaum war die Schleuse auf, raste ein Rudel Segelboote mit rauchenden Motoren an uns vorbei in den Nordostsee Kanal ein. Die hatten es offenbar ziemlich eilig. Da wir ja in Bremerhaven nicht dazu gekommen waren, Treibstoff zu bunkern, wollte Heinz das hier nachholen. Und so legten wir uns an der Tankstelle an einen Steg, der für Frachter konzipiert worden war. Sah lustig aus, das.

Ich hatte ein heftiges Dejà vu, hatten doch Max und ich vor vier Jahre auch schon hier gebunkert! Und der hübsche Uralt-Telefonapparat war auch immer noch hier!

Und auch ein Blick zurück Richtung Schleuse liess alte Erinnerungen wach werden. Der Brunsbütteler Yachthafen, wo wir damals eingequetscht zwischen unzähligen Yachten übernachtet und dicke Pötte beim Einfahren in die Schleuse beobachtet hatten, war völlig leer!

Nach der Rendsburger Hochbrücke bogen wir dann links ab Richtung Rendsburg. Dabei kamen wir auch an der Edelwerft Nobiskrug vorbei. Das ist die Werft, die diese merkwürdige Segelyacht mit Namen «A» für einen russischen Oligarchen gebaut hatte. Wäre sicher spannend gewesen zu schauen, wie sie mit dem Riesen Ding hier aus dieser engen Bucht raus gezirkelt sind.

Im Yachthafen von Rendsburg konnten wir anlegen. Danach gingen wir ins nahe gelegene Einkaufszentrum und bunkerten Vorräte. Ich entdeckte sogar eine Flasche Macallan Single Malt Scotch, die ich als kleines Geschenk in die Schiffsbar einbrachte.

Dann gingen wir in die überraschend hübsche Stadt bummeln. Leider war das Wetter nicht so richtig «bummelig» und so waren wir schon bald zurück im Yachthafen, wo wir uns für einmal ein Dinner auswärts gönnten.

Das Restaurant «Riverside» war zwar hübsch gelegen mit einem schönen Garten mit Blick auf die Yachten, aber das Essen war nicht überwältigend. Schade. Naja, vielleicht lag es daran, dass sich nur wenige Gäste hierher verirrt hatten und der Koch nicht so motiviert war. Oder es lag daran, dass sich wegen eines unmotivierten Kochs nur wenige Gäste hierher verirrt hatten.

Wir werden es nie erfahren.

Am nächstengen lag dann erst mal dicker malerischer Nebelüber dem Yachthafen, der sich aber…

…schon bald verzog und uns einen wunderschönen sonnigen Tag bescherte. (Rechts noch einmal die Werft Nobiskrug).

Und so konnten wir das letzte Stück des NOK bei schönstem Wetter absolvieren.

Nicht nur dicke Pötte gab es zu sehen, auch dicke Schwäne waren auf dem Kanal unterwegs.

So gegen Mittag  kam die Schleuse Holtenau und auch hier kamen wieder Erinnerungen hoch an den Moment, als wir mit der funkelnagelneuen AnnaSophie hier neben einem Malaysischen Riesenfrachter eingequetscht bange Minuten verbrachten.

Aber diesmal war es ein Kinderspiel, waren wir doch das einzige Schiff in der riesigen Schleuse! Nur in der anderen Schleusenkammer machten sich einige Frachter den Platz streitig.

Und bei immer noch traumhaften Wetter fuhren wir anschliessend der Waterkant der Kieler Förde entlang an unser nächstes Ziel, nach Strande.

Ach, herrlich!! Das war erst das zweite Mal auf diesem Törn, dass wir unseren Anleger draussen an Deck geniessen konnten. Was für ein Unterschied zu Otterndorf, wo wir uns kaum aus dem Schiff gewagt hatten, so übel war das Wetter gewesen. Und auch das Problem mit den Gezeiten lag hinter uns: wir waren offiziell in der Ostsee angelangt. Tidenhub max. 20 cm. Das war machbar.

Und hier noch einmal unsere Nadelöhr Rally von Bremerhaven nach Strande.

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