Bojentage – Sommertage

Nach einer ruhigen, ereignislosen Nacht in der Bucht von Pomena wachten wir wieder einmal mehr zu schönstem Wetter auf. Wir waren früh aufgestanden, weil wir heute ein grösseres Stück Weg machen wollten. Die Wettervorhersage hatte Flaute gemeldet und so waren wir angenehm überrascht, als vor der Bucht eine ordentliche Brise wehte. Cool!

Wir passten die Segelgrösse den Verhältnissen an und sausten mit schönem Rückenwind dem Peljeski Kanal entgegen, der die Insel Korčula von der Halbinsel Pelješac trennt.

Aber als das Städtchen Korčula in Sicht kam, traten wir mal kurz auf die Bremse, sprich, wir holten die Segel ein und legten uns in der dortigen Marina an den Quai. Die Aussicht auf eine Erfrischung war zu verlockend gewesen. Und ausserdem brauchten wir noch dies und das.

Korčula entpuppte sich als hübsches, in Corona Zeiten fast leeres Städtchen. Und wieder einmal wurde uns bewusst, wie glücklich wir uns schätzen konnten, dieses Kleinod für uns allein zu haben.

Pech war nur, dass auch hier die meisten Bars und Cafés geschlossen waren. Und so gab es für uns nur ein Bierchen (Skipper One) und einen Cappuccino (Skipper too) in einer Strassenbar und einen maskierten Besuch in einem der wenigen geöffneten Supermärkte. Aber was solls, das Wetter war wunderbar und wir hatten immer noch ein wenig Wind.

Und so sausten wir wenig später im Zickzack den Peljeski Kanal hinauf. Wir spielten wieder einmal das Wendenspiel, das wir jedes Mal spielen, wenn wir auf einem See oder wie hier zwischen zwei Inseln aufkreuzen müssen. Wir wählen uns eine Tiefenlinie aus, zum Beispiel wie hier die 20 Meter Linie und sausen drauf los. Der Nervenkitzel dabei ist, genau in dem Moment zu wenden, wenn die Tiefenanzeige 20.0 Meter anzeigt.

Spass macht es auch, sich dabei vorzustellen, was man alles sehen könnte im Moment der Wende. Zum Beispiel: wir wenden erst wenn wir das Weiss in den Augen des Leuchtturmwärters sehen. Oder: wir wenden erst wenn wir die Mäuse ins Unterholz flüchten sehen. Kindisch, aber es macht Spass!

Leider kam der Spass zu einem abrupten Ende, als uns der Wind ausging, kaum dass wir aus der Düse des Peljeski Kanals heraus waren und wir mussten den Rest des Weges unter Motor zurücklegen. Schade.

Wir erreichten die Insel Šćedro und entdeckten, dass hier in der Bucht wo wir eigentlich hatten ankern wollen nun Bojen ausgelegt worden waren. Na gut, dann halt. Ausserdem funktionierte unsere Ankerwinsch immer noch nicht. Also war das gar nicht so schlecht.

Wir suchten uns eine Boje aus und machten uns daran diese einzufangen, als ein Motorboot daher gebraust kam. Ein jüngerer Mann klärte uns darüber auf, wie das System hier funktionierte. Denn hier musste man sich nicht nur mit dem Bug an eine Boje hängen, sondern mit dem Heck an eine Zweite. Aha, mal ganz was Neues. Der Spass kostete uns umgerechnet etwa 30 Euro. War ja gar nicht so schlimm.

Als er uns noch fragte, ob wir ihm unseren Abfall übergeben wollten, waren wir ziemlich irritiert. Abfall abgeben? Auf dieser kleinen Insel? Kommt nicht in Frage. Abfall wird von uns prinzipiell auf dem Festland abgeladen.

Am nächsten Tag nutzte ich die Gelegenheit, um mich noch mal ausgiebig in die Fluten zu stürzen und meine Runden ums Boot zu ziehen. 20° hatte das Wasser immer noch. Also immer noch Badetemperatur.

Und natürlich musste ich auch mal schnell unter der Wasseroberfläche nach dem Rechten schauen. Ich sammelte einige Stücke Plastikabfall aus den ansonsten sauberen Steinen. Dabei entdeckte ich die grössten Seeigel, die ich je gesehen hatte. Ich bettete den Seeigel auf ein Stück Plastikabfall, um ihn Skipper One zu präsentieren. Auch er war erstaunt über die Grösse des Dings.

Da aber offenbar in der Kombüse keine Verwendung für den Seeigel zu finden war, transportierte ich ihn zu seinem Patz zurück. Den Plastik nahm ich mit aufs Boot. Nicht für die Kombüse, sondern für den Abfalleimer.

Wenig später waren wir wieder unterwegs. Aber das super Wetter bescherte uns wieder einmal eine Flaute und machte selbst aus unserem Geni (Gennaker) einen „Gähni“.

Dafür nutzten wir die Fahrt unter Motor ausgiebig als Sightseeing Tour. Die kleine, kreisrunde Insel Pokonji Dol mit dem wunderschönen Leuchtturm. Wow! Was für ein Anblick! Ob hier noch jemand lebte?

Aber bald schon konnten wir abbiegen an unser neues Ziel, eine Ankerbucht nahe der Insel Sveti Klement. Auch hier waren Bojen ausgelegt und wir entschieden uns für die Boje ganz zuvorderst, da die meisten Bojen schon besetzt waren. Hier war das Wasser glasklar und die Bucht einfach ein Traum!

Aber nichtsdestotrotz, der Grund rund um unser Boot musste inspiziert werden. Das war definitiv meine Aufgabe. Die Halterung der Boje sah solide aus und der Grund rundherum war frei von Hindernissen.

Nach meiner Inspektion nahm ich mir noch die Freiheit, ein wenig zu schauen, was es hier sonst noch so gab. Und dabei stach mir im Seegras etwas ins Auge, das erst einmal für einen gelben Plastiksack gehalten hatte. Und das musste natürlich raus!

Als ich näher kam sah ich, dass sich der vermeintliche Plastiksack als ausgewachsener Oktopus entpuppte. Und der war entschieden dagegen, sich unserem Bordmüll einverleiben zu lassen. Eine Nanosekunde lang dachte ich daran, ihn dem Smutje…

Aber als er anfing, sich mit Farbwechsel und Drohgebärden unappetitlich zu machen, räumte ich das Feld.

Verhungern musste an Bord der AnnaSophie eh niemand und nach dem Dinner zogen wir uns in unsere Heck Lounge zurück…

…und bewunderten bei einem Glas Wein noch lange den fast vollen Mond und die Sterne. Sogar die Milchstrasse konnten wir sehen. Ja, für solch unvergessliche Momente lohnte sich die ganze Schinderei…!

Am nächsten Morgen rieben wir uns verdutzt die Augen. War das nicht…?! Tatsächlich, die „A“ tuckerte an unserer Ankerbucht vorbei. Wo wollten denn die hin? Nach Hvar, das gleich hier um die Ecke lag?

Dass wir diese aussergewöhnliche Segelyacht ein zweites mal innert kurzer Zeit zu Gesicht bekommen würden, das war doch sehr überraschend.

Und siehe da! Schon kurze Zeit später tuckerte die riesen Yacht wieder in die andere Richtung. Was die wohl in der kurzen Zeit in Hvar gemacht hatten? Abfall abgeladen? Naja, irgendwie mussten sie ja den Billigdiesel aus Albanien verpuffen. Warum nicht mit einer Wendeschlaufe nach Hvar?

Bald danach leerte sich die Bucht von Bojen Liegern und nur wir und ein anders Boot blieben zurück. Wir hatten uns entschieden, einen Tag länger in diesem kleinen Paradies zu bleiben.

Als nächstes stand Landgang auf dem Plan. Wir ruderten Seppi an den Strand und inspizierten die wenigen Gebäude, die dort standen. Praktisch alle waren Restaurants oder Strandbars. Alle zu.

Wir folgten den Schildern und kamen schon bald auf die andere Seite. Auch dort gab es zwei Bars und viele verlassenen Sonnenliegen. Wir konnten uns gut vorstellen, dass hier im Sommer ganz schön die Post abgehen musste.

Wie glücklich wir uns doch schätzen konnten, dieses Plätzchen praktisch für uns allein zu haben!

Auf dem Rückweg fanden wir sogar noch Speisepilze! Und die landeten Abends natürlich im Kochtopf, und das erst noch ohne schlechtes Gewissen.

Der kleine Archipel von Sveti Klement …

…war wirklich zauberhaft.

Am nächsten Morgen lösten wir uns schweren Herzens von der Boje und tuckerten  die kurze Strecke in den Ort Hvar auf der gleichnamigen Insel. Wir legten kurz an und Skipper machte sich auf den Weg zum Harbour Master Office, um unsere Cruising Bewilligung für Kroatien um eine Woche verlängern zu lassen.

Ich machte währenddessen einen kleinen Rundgang und entschied, dass es sich sicher lohnen würde, nächstes Jahr diesem Städtchen einen längeren Besuch abzustatten.

Bald darauf war Skipper wieder da – mit der Verlängerung und ein paar Croissants. Wir entschieden uns, das Frühstück wieder während der Fahrt einzunehmen und legten ab.

Es herrschte die Mutter aller Flauten. Auch recht.

So konnten wir unsere Kroatischen Croissants mit Blick aufs Meer geniessen.

Kurz vor unserem Ziel kam dann sogar noch Wind auf und wir konnten uns von einer leichten Brise bis in die Bucht von Trogir pusten lassen.

Wir staunten nicht schlecht, als wir der gigantischen Baotic Marina entlang bis zu deren Eingang entlang fuhren. Still liegende Charterboote, soweit das Auge reichte! Nach Angaben von unserem (leicht veralteten) Hafenhandbuch wurde dies hier als Trogirs Yacht Club mit zwei Stegen beschrieben.

Jetzt hatten wir erstmals ein Gefühl dafür bekommen, wie sehr das Chartergeschäft hier in diesem Land innert weniger Jahre regelrecht explodiert war.

Der für den nächsten Tag angekündigte Sturm brachte für uns vor allem Regen und so legten wir hier einen Hafen Tag ein. Wäsche waschen war wieder einmal fällig und Skipper machte sich zu Fuss auf die Suche nach Nahrungsmitteln. Ansonsten blieben wir im Schiff im Trockenen.

Am nächsten Tag, als es aufhörte zu regnen gingen wir aber doch noch in die Stadt Trogir auf Sightseeing Tour. Aber alles machte irgendwie einen verwaschenen schimmeligen Eindruck.

Und auch hier war mehr oder weniger alles zu. Nicht einmal Einheimische waren zu sehen.

Und ein Blick Richtung Split  liess uns leicht erschaudern. Da braute sich offenbar was zusammen. Ob jetzt auch für uns der Herbst unabwendbar war? Waren die paar Tage an der Boje wirklich ein Abschied vom Sommer gewesen?

Wir fanden aber doch noch ein kleines Lokal das noch offen hatte. Und obwohl es kühl war, setzten wir uns – der Kälte zum Trotz – draussen hin und bestellten ein leckeres Abendessen.

Anschliessend spazierten wir in den neuen Teil der Stadt und suchten uns ein Taxi, das uns zur Marina zurückfuhr. Wir verkrochen uns in den warmen Bauch unseres Schiffes und trauerten den vergangenen schönen Tagen hinterher. Und wir waren gespannt, was das Wetter uns als nächstes bescheren würde.

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