Blau machen in Trosa

O.k. Nun war ich also wieder allein auf dem Schiff. Max war gestern Morgen mit Bus und Zug nach Stockholm gefahren. Dort hatte er übernachtet und war am nächsten Tag mit dem Flugzeug in die Schweiz zurück geflogen.

In Trosa war es heiss, heiss, heiss. Ich musste mir sogar notfallmässig kurze Hosen, sprich Shorts, kaufen obwohl ich das normalerweise nicht trage. Aber hier… war das ein Muss.

Ich richtete mich hier am Steg des Trosa Gästhamn gemütlich ein. Die Aussicht von Deck und Steg aus war schon mal nicht schlecht, auch wenn sie Zeitweise von neu ankommenden Booten versperrt wurde.

Zum Frühstück gab’s zwar immer noch Blaubeeren, aber die stammten jetzt aus dem Supermarkt. War nicht weiter schlimm. Das Wetter war hochsommerlich heiss und war Entschädigung genug. Auch die allabendlichen Sonnenuntergänge vom Logenplatz aus konnten sich sehen lassen.

Trosa war unglaublich hübsch! Es schien nur aus schmucken Häuschen zu bestehen und jedes Geländer, jeder Pfahl, jedes Fenster war mit Blumen geschmückt. Sogar das Unkraut hatte sich zu Ehren der Stadt mit Blüten herausgeputzt.

Ein Kanal floss durch das Städtchen und an dessen Quai Mauern hatten sich Cafés und Restaurants angesiedelt. Autos mussten glücklicherweise draussen bleiben.

Nach ein paar Tagen entdeckte ich diese schmucke Konditorei mit Garten. Hier wurde auch offenbar Landesweit bekanntes Marzipan hergestellt! Holy s**t!! Ich liebe Marzipan!

Ohne Worte aber mit viel Kalorien!

Einmal wurde das schöne Wetter für ein paar Tage durch Wolken und Regen abgelöst. Aber das konnte mich nicht schrecken. Es gab für Seefahrer ja immer was zu tun. Von Innen die niedlichen Schwalben bewundern hatte sich schon fast zur Hauptaufgabe entwickelt. Die konnten mich durch unsere getönten Fenster offenbar nicht sehen und so konnte ich mich Stunden lang ungesehen an ihnen erfreuen.

Wegen des übermässigen Marzipan Konsums hatte ich mich selber zu mehr Fitness verdonnert und so machte ich lange Spaziergänge durchs Städtchen und in der Umgebung…!

Ich hatte auch entdeckt, dass es von Trosa aus Fährverbindungen gab in die Stockholmer Schären und so buchte ich eines Tages einen Tagestrip mit dem Post Båt, das einige der bewohnten Schären bediente. Auf der Insel Askö ging ich an Land. Ich hatte meine Badesachen und ein Picknick mit dabei.

Aber erst ging ich auf Entdeckungswanderschaft. Ich streifte durch die dichten Wälder, immer Ausschau haltend nach Beeren oder Pilzen…

…ich fand eine perfekte Stelle zum Baden und Picknicken und wanderte von einer Seite auf die andere – und wieder zurück…

…und kam dabei an vereinzelten Bauerhöfen vorbei. Auch Schafe gab es hier…

…aber die zutraulichen Gesellen liessen sich nicht gross stören. Und als es mir so vorkam als hätte ich dieses Fell, wenn auch nicht so zottelig, schon irgendwo mal gesehen, musste ich doch ein paar mal leer schlucken. Aber wenigstens wusste ich jetzt, dass das Schäfchen das für uns sein Fell gelassen hatte im Paradies gelebt hatte 🙁

Am Abend fuhr ich mit dem letzten Boot wieder zurück und da sich dieses im Slalom durch die vielen unbewohnten Schären schlängeln musste, konnte man sogar die Heimfahrt noch geniessen.

Heja! Sweden!!

Wieder zurück in Trosa machte ich mich wieder an die Arbeit. Wäsche waschen, Boot sauber machen, Marzipan essen, etc. etc. Ab und zu kam auch dieser Schnügel zu Besuch in den Hafen. Ich fand bald heraus, das dies eines der traditionellen Göta-Kanal-Express-Schiffen war, die im Sommer zwischen Stockholm und Göteborg hin- und her sausten. Man konnte wirklich sagen “sausen”, denn die Schiffchen legten die Strecke in 5! Tagen zurück. Wir würden bald mit unserem Boot von Mem nach Mariestad so lange brauchen…!

Und so waren die zwei Wochen ohne Max schon bald herum ohne dass mir auch nur einmal langweilig gewesen wäre. Und noch ein kleines Grüppchen hatte mich während dieser Zeit ganz schön auf Trab gehalten…

Schwalben. Hunderte von Schwalben fielen jeden Morgen bei Sonnenaufgang über die Marina her, liessen sich auf der Reling, den Festmacherleinen und den Wanten nieder und tauschten zwitschernd und knarrend Neuigkeiten aus während sie die Morgentoilette verrichteten.

So eine gefühlte Woche lang fand ich die Viecher einfach nur süss, wie sie mich jeden Morgen um 5 mit ihrem Gezwitscher weckten und ich so gegen Mittag die Hinterlassenschaften ihrer morgendlichen Toilette weg putzen durfte. Aber irgendwann war Schluss mit lustig. Ich überlegte. Ich plante. Ich tüftelte…

…und hatte bald ein geniales Leinensystem kreiert das es mir erlaubte, via Ober Luke von meiner Koje aus die Relinge so zu bewegen, dass den Pupsern nichts anderes übrig bleiben würde als die Flucht zu ergreifen. Ha! Me sooo clever! Mit einem diebischen Grinsen auf den Lippen schlief ich diese Nacht ein.

Am nächsten Morgen wurde ich wie immer von eifrigem Geschnatter auf der Reling geweckt. Nun würde es sich zeigen, wer hier auf dem Boot das Sagen hatte. Ich zog an der Leine, die wiederum beidseitig die Relinge durchschüttelte und siehe da! Ich hörte noch ein Schwirren und dann war Ruhe! Zufrieden schlief ich wieder ein…bis mich die Hitze aus der Koje trieb. Ich verbrachte einen Tag im Bewusstsein, dass ich von jetzt an der Chef war, yeah!

Etwa zwei Tage später wurde ich wieder durch lautes Gezwitscher geweckt. Kurzer Zug an der Leine – und Ruhe war. Sanft glitt ich wieder in den Schlaf. Bis ich wiederum von Gezwitscher und lautem Gekrächze geweckt wurde. Wieder zog ich an der Leine, doch diesmal gaben die Viecher keine Ruhe. Im Gegenteil, das Gekrächze wurde immer lauter. Entnervt stand ich auf.

Als ich an Deck mein Leinensystem inspiziere erlebe ich eine böse Überraschung: die kleinen Pupser hatten offenbar ihre grossen Brüder, die Krähen zu Hilfe gerufen! Die sassen aber nicht auf der Reling sondern – unerreichbar für mich – auf den Salingen und schielten frech zu mir herunter. Und oh Schreck!! Im Umkreis von zwei Metern um den Mast war alles dick verkleistert mit Lehm, Erde und Krähenpup. Sch***se!!! An diesem Tag musste ich einen Spachtel zu Hilfe nehmen, um das Boot zu säubern.

Kleinlaut räumte ich mein Leinensystem wieder zusammen und stopfte mir von nun an Ohropax in die Ohren. Man lernt ja schliesslich dazu.

Und bald würde Max wieder da sein und mein Kleinkrieg mit den Schwalben würde nur noch eine amüsante Episode sein. Aber eines war sicher: Trosa würde mir für immer in guter Erinnerung bleiben.

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