AnnaSophie’s Taufe

Ja, das war der „Genau das ist es!“, der „Heureka“ Moment, als ich mir sagte, dass wenn ich jemals (wahrscheinlich niemals) ein Boot hätte, dann würde ich es genauso taufen. Das war am 8. Mai 2009, also drei Jahre bevor wir den Kaufvertrag für unser Boot unterschrieben.

Und so war es vielleicht doch höhere Fügung, als Max und ich Amsterdam und das Holländische Scheepvartmuseum (Schifffahrtsmuseum) besuchten und dort an einem Aussen Steg das kleine Dampfkutterchen mit dem Namen „Anna Sophia“ entdeckten. Wie ein Blitz durchfuhr es mich! Das sind ja die Namen meiner Mutter und ihrer Zwillingsschwester Sophie!

Woah! Was gäbe es schöneres, als diese zwei aussergewöhnlichen Frauen auf diese Art zu ehren: unserem – falls jemals (wahrscheinlich niemals) – zukünftigen Boot diesen Namen zu geben. Vielleicht auch deshalb, weil der Hinschied von Sophie erst ein halbes Jahr her war und sie ein so riesiges Loch in unsere engen Familienbande gerissen hatte.

Drei harte, von Zweifeln zerfressene, von Glücksgefühlen erfüllte, verrückte Jahre später war es soweit.

Max und ich waren ja mit Sack und Pack im Nachtzug angereist, während mein Bruder und die Taufpatin Anna mit dem Flugzeug anreisten. Max hatte schon ein paar Tage vorher ein Mietauto organisiert und hatte Anna und Fredy vom Flughafen Schiphol abgeholt, während ich in Amsterdam wartete.

Bald darauf sassen wir vereint in einem Café in der Nähe des Bahnhofs und überlegten, was wir uns anschauen wollten. Wir entschlossen uns für eine Grachtenfahrt mit einem Ausflugsboot. Das würde uns schön einstimmen auf das grosse Ereignis auf dem Wasser.

Die Familie vereint in Amsterdam, wer hätte das je gedacht! Amsterdam…

…ist schon sehr speziell. Ich bin jedenfalls sehr gerne hier. Und jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte.

Auf den unzähligen Grachten bekommt man die Stadt sehr gut zu sehen. Jedenfalls aus der Maus Perspektive.

Lebendig auf- und am Wasser ist es hier.

Romantisch, hektisch, modern, Traditionell,entspannt,,,

…und zum Wohnen wie geschaffen. Uns als Neu- Schiffseigner gefielen natürlich besonders die Wohnschiffe!

Kirchturm und Wohnkahn.

Amsterdam war aber auch sehr modern und ausgefallen. Auf alten Werkplätzen waren neue Stadtteile entstanden, vor allem entlang der Amstel, die Amsterdam mit der Nordsee verband.

Yay, bald würden wir auch so unterwegs sein!

Irgendwann kehrte das Ausflugsboot zum Anlegeplatz zurück und wir schlenderten noch ein wenig zu Fuss durch die schönen Gassen der Altstadt.

Entdecken machte natürlich Hungrig und so gingen wir noch in unserer Lieblings-Tapasbar fein essen. Puh! Was für ein gelungener Tag!

Anschliessend holte Max das Mietauto, wir packten alles und alle ein und fuhren Richtung Lelystad.

Dort angekommen, gab es den ersten Kontakt der Namensgeberin mit dem noch unbeschrifteten Patenkind! Wir bugsierten und hievten alles und alle an Bord und stiessen erst mal auf die erfolgreiche Ankunft der Taufpatin an.

Meine Mutter war erstaunt darüber, dass das Schiff wie einbetoniert am Steg hing und nicht wie wild auf- und ab schaukelte.

Für den Morgigen Tag mussten noch Vorbereitungen getroffen werden. So musste die neue Crew natürlich noch Schwimmwesten fassen. Besonders ein Crewmitglied schien an ihrem neuen Bekleidungsstück Gefallen zu finden und wollte es gar nicht mehr ausziehen.

Mir kam langsam der Verdacht auf, dass sich Anna wohl für die Nacht absichern wollte. Denn: wir waren auf einem Schiff und Schiffe können sinken. Auch in der Nacht. Offenbar war ihr von meinem Vater eingebläut worden, dass sie sich für alle Fälle absichern sollte. Wir konnten sie aber beruhigen und mehr und mehr entspannte sie sich. Und so verbrachten wir einen gemütlichen Abend im Schiffsinnern.

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Das Wetter spielte zwar nicht so richtig mit aber es regnete wenigstens nicht. Und jetzt will ich euch den bewegenden Moment nicht weiter vorenthalten:

Hatten halt keine Zeit zum Üben. Nur eine Person hatte ihre Rolle im Griff. Und das war das Gebet, das sie zu unserer Überraschung zum Segen von AnnaSophie aufsagte:

Hiermit taufe ich dich auf den Namen AnnaSophie. Das ist und Zwei so wichtig!

Maria breit’ den Mantel aus

mach Schirm, Schild und Dach daraus,

lass das Schiff mit Inhalt darunter steh’n

bis alle Gefahren vorüber gehen

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen

Am Abend fuhren wir nach Urk und assen in einem Restaurant mit Meerblick zu Abend. Wir sprachen natürlich über die gelungene Taufe und machten Pläne mit meinem Bruder. Er wollte uns im Sommer mit seiner Familie in Schweden besuchen kommen. Wir verabredeten, ihn und seine Familie in Stockholm mit dem Boot abholen zu kommen und mit ihnen die Stockholmer Schären zu besuchen.

Ob das wohl gelingen würde…?!?

Am nächsten Morgen brachten wir die beiden wieder zum Flughafen, wo sie den Flieger Richtung Schweiz bestiegen. Und wir krempelten die Ärmel hoch und spuckten in die Hände. Es gab noch viel zu tun in Lelystad…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vielleicht gefällt Dir dass auch?