Der weite Weg

Und so sah es mehrheitlich aus auf dem Weg von Inverness nach Edinburgh. Da ja während unserer Zeit in Inverness ein ausgedehntes Hoch geherrscht hatte, konnten wir bei ruhiger See aber leider ohne Wind unseren neuen Antrieb so richtig testen. Und der lief einwandfrei und fast 30 Stunden ununterbrochen.
Da das neue Getriebe ein wenig anders übresetzt ist, ist der neue Antrieb sogar schneller als der Alte. Man muss also aufpassen beim Manövrieren im Hafen, dass man nicht zu schnell ist.
Und auch der Autopilot funktionierte wieder! Was für eine Erleichterung! Speziell in der Nacht. So konnte man auch mal schnell den Ruderstand verlassen und sich mit dem Feldstecher mal was genauer anschauen. Oder sich schnell was holen von Unten.

20140907-02Und so fuhren wir der Nacht entgegen. Ab und zu verscheuchten wir ein Päärchen von Taucherchen, die sich träge an der Wasseroberfläche treiben liessen oder Möven begleiteten uns ein Stück weit, in der Annahme, es gäbe was zu fressen.

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Die Sonne verschwand in unserem Kielwasser und wir begannen mit unseren Nachtwachen. Die erste dreistündige Wache machte ich, während Max sich im Salon unten hinlegte. Dieses in die Nacht hinein fahren ist etwas vom schönsten das es gibt. Der Moment wo der Horizont sich auflöst und der Himmel und das Meer die gleiche Farbe haben ist schon sehr speziell. Das Boot wird dann zum Raumschiff, schwebend fast. Oder abgespaced, wie ich das nenne.

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Der Mond schien fast die ganze Nacht und erleichterte das Erkennen anderer Boote ein wenig. Während sich die Küste langsam im Schwarz der Nacht auflöste, wurden die Lichtnester der Städte und Dörfer immer heller.

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So sieht Aberdeen in der Nacht vom Schiff her aus. Und hier war auch ganz schön was los in der Nacht. Frachtschiffe aus allen Richtungen, einfahrend, auslaufend, Fischerboote, mal hier-, mal dahin steuernd. Es wurde mir auf jeden Fall nicht langweilig, keine Chance müde zu werden.

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Zum Glück hatte ich zuverlässige Instrumente, mit deren Hilfe ich das Gewirr von Lichtern einordnen konnte:

Das schwarze Schiffchen mit dem weissen Kreuz ist unsere AnnaSophie und die blauen Schlieren sind die Radarsignale.

Die blauen Pfeile sind die vom AIS (Automatic Identification System) aufgezeigten Schiffe. Da dieses System nur Schiffe aufzeigt, die über einen aktiven AIS Sender verfügen, musste ich andere Schiffe noch konventionell via des Radarsignals identifizieren.

AIS hat aber auch noch andere Vorteile. So sieht man schon anhand der Stellung des Pfeils, in welche Richtung sich das Schiff bewegt, Man kann die Pfeile anklicken und erhält alle Möglichen Informationen über das Schff, so zum Beispiel den Namen, ob es sich um einen Frachter oder sonst etwas handelt, woher das Schiff kommt und wohin es unterwegs ist, etc, etc.

Wir haben zwar einen AIS Empfänger, verfügen selbst aber noch nicht über AIS (werden das auf die nächte Saison anpassen), wir sind nur dank unseres passiven Radarreflektors für andere Schiffe zu erkennen. Und anhand der Beleuchtung natürlich, die für jeden Schiffsstyp genau vorgeschrieben ist. Und so hat man dann halt ordentlich zu tun in der Nacht, all die Lichter und Signale richtig zu interpretieren und dementsprechend den Kurs zu bestimmen und halt auch mal auszuweichen, wenn’s brenzlig wird.

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Und so sieht es aus wenn hinter uns zwei Frachtschiffe auf Reede liegen und ein Fischerboot mit Vollbeleuchtung seinen Fischernetzen hinterher jagt. Ihr seht nichts? Dann habt ihr richtig gesehen. Wir ausser den Lichtern auch nichts. Aber für so was gibt’s ja Instrumente. Und dann war auch schon Schichtwechsel, Max übernahm die Wache und ich schmiss mich für drei Stunden unten auf’s Sofa, in Max’ Rufdistanz und die Ausrüstung parat wie ein Feuerwehrmann.

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Um Vier Uhr übernahm ich meine zweite Wache und bald schon ging die Sonne auf. Ich weiss gar nicht wieviele Sonnenauf- und Untergänge ich auf all meinen Törns schon gesehen habe. Aber immer noch und jedesmal ist es ein absolut einmaliges Erlebnis, das ich nicht müde werde zu bestaunen und mich daran zu erfreuen. Und einen Sonnenaufgang auf dem offenen Meer hat man immer für sich alleine…!

Um 8 Uhr assen Max und ich gemeinsam z’Morgen und dann verschwand ich noch mal für ein paar Stunden in der Koje. Es war inzwischen ein sonniger Tag geworden mit wenig Wind aber dafür auch wenig Wellen. Und so musste unsere AnnaSophie halt noch ein wenig länger Motorboot spielen.

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Und dann kam auch schon unser Dessert des Tages in Sicht. Die Isle of May (56°11’10.62″N/2°33’25.81″W). Unter Naturschutz stehend, ist dieses Juwel schon von Weitem eine Augenweide. Wir beschlossen, die Insel zu umrunden und zu schauen, ob wir vielleicht die eine oder andere Tierart vom Schiff aus entdecken konnten.

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Da die Insel genau in der Einfahrt zum Firth of Forth steht, ist sie natürlich auf allen Seiten mit Leuchttürmen und Leuchtfeuern ausgestattet. Und nein, das Ding hier links im Bild ist kein Grammophon, um damit die Robben mit Beethoven zu beschallen, das ist ein Nebelhorn, ein in diesen Breitengraden viel verwendetes und wichtiges Instrument. Ich hoffe nur, ich bin nie in der Nähe, wenn das Ding mal los trötet…

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Einfach nur schön…

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Vögel, Vögel und nochmals Vögel. Aber leider keine Puffins, schade. Von denen hatte ich bisher nur einen einzigen gesehen. Aber in der Not tun’s Möven auch.

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Und dann sahen wir sie! Robben! Ich bin mir immer noch nicht sicher wer wen neugieriger beäugt hat, wir die Robben oder sie uns. Man konnte förmlich sehen, wie sie unsicher zwischen Neugier und Vorsicht hin- und hergerissen waren.

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Oh Mann, wie oft hatten uns die Viecher doch an der Nase herumgeführt und waren vor uns weggetaucht, bevor wir sie auch nur richtig zu sehen bekamen. Ha! aber diesmal liessen wir sie nicht entwischen. Einen nach dem anderen hab ich sie mit meiner Kamera abgeschossen!

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Eh! Was kuckst du…?!

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Es fiel uns schwer, uns von diesem schönen Inselchen zu trennen, aber wir hatten noch einen weiten Weg. Zum Glück hatte der Wind aber aufgefrischt uns wir konnten den Rest des Weges bis nach Edinburgh unter Segeln zurücklegen, jedenfalls fast…

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…denn an der Küste braute sich schon ganz schön was zusammen. Dies bescherte uns schönen Wind, der aber…

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…leider zusammenfiel, nachdem sich der Regen doch eher spektakulär rund um uns herum entladen hatte.

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An Edinburgh mussten wir leider vorbeischippern, da die Stadt zwar über eine Marina verfügt, die aber für uns wegen der geringen Tiefe nicht infrage kam.

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Und so fuhren wir dann in den immer spektakulärer werdenden Sonnenuntergang Richtung Port Edgar (55°59’39.54″N/3°24’41.20″W), wo wir nun die schöne Marina und diese wundervolle Gegend geniessen.

I. Love. Scottland.

0 Kommentare
  1. wunderbare Bilder, Wetterstimmungen… Ich kann die Liebe zu Schottland gut verstehen!
    Super, dass die neuen “Teile” gut funktionieren und eure Weiterreise sorglos weitergehen kann.
    Ich wünsche gute Weiterfahrt!
    Herzliche Grüsse Barbarea

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