Ankern im Paradies

Manchmal staunt man selber am meisten über’s eigene Glück. Das ist uns passiert, als wir die Bucht von Porto Azzurro verliessen und eigentlich mal so generell Richtung Portoferraio wollten. Das Wetter war heiss und Wind hatte es wenig. Und so zuckelten wir einfach mal nur mit der Genua Richtung Norden und bestaunten die wilde Ostküste von Elba.

Schnell waren wir nicht und die Aussicht, in diesem Tempo bis nach Portoferraio weiter zu machen, war alles andere als toll. Als wir dann hinter einem Felsen einen hübschen, aber vollen Ankerplatz entdeckten, war die Entscheidung schnell gefallen: hier wollten wir bleiben. Ein schneller Blick in die Runde sagte uns, dass es mehr Motorboote hatte als Segelboote. Das hiess soviel wie, dass die Bucht bis am Abend praktisch leer sein würde.

Und wie wir das immer machten, schmissen wir uns inmitten der Motorboote vor Anker, machten Seppi (unser Beiboot) startklar und genehmigten uns einen Anleger-Drink (Mojito) an der etwas bünzligen Strandbar des All-Inclusive Hoterls und danach ein Bad im erfrischenden Nass. Und siehe da, schon bald war die Horde von Motorbooten verschwunden und wir hatten die Bucht praktisch für uns allein.

Da es noch genügend Sonnenlicht hatte, machte ich mich noch mit Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet auf die Suche nach Unterwasser Motiven für meinen Blog. Und siehe da, eine hübsche Unterwasserszenerie mit erstaunlich vielen verschiedenen Fischen gab es zu bestaunen.

Die Schirmalgen sahen aus wie blühende Unterwasser-Wiesen.

Und hinter einem Felsen machte ich noch Bekanntschaft mit einer Baby Mittelmeer-Moräne. Sie war zwar noch kleiner als meine Hand, aber den bösen Blick einer ausgewachsenen Moräne hatte sie schon ganz gut drauf. Ich hielt jedenfalls respektvoll Abstand.

Und nachdem auch das letzte Boot die Bucht verlassen hatte, konnten wir das Abendrot und die Gewitterwolken über dem Italienischen Festland ganz für uns allein geniessen. Danach noch ein bisschen mehr Kette ausgelegt und bald schliefen wir tief und fest.

Am nächsten Morgen dann die böse Überraschung: Möwen hatten unser Dinghi in der Nacht offenbar als Schlafplatz und/oder Toilette missbraucht. Ekelhaft. Die Schimpfwörter die der Skipper beim Reinigen des Dinghis gebraucht hat will ich hier jetzt nicht wiederholen. Die würden wohl der Internet Zensur zum Opfer fallen…!

Doch bald schon war Seppi wieder startklar und wir gingen diesmal zu zweit auf Besuch in die Unterwasserwelt.

In der Bucht gab es kleine Höhlen, in denen man sich hätte verstecken können. Es gab aber Meeresbewohner, die ein Versteck gar nicht nötig hatten, so gut waren sie getarnt…!

Es gab vereinzelt Anemonen und sogar verschiedene Korallenarten zu bestaunen, die wir in dieser Form das letzte mal im Roten Meer beim Tauchen gesehen hatten!

Überhaupt war uns schon einige male aufgefallen, wie sauber es auf und rund um diese Insel war. Wie schön, dass die Bewohner von Elba sich ihr Paradies so gut erhalten konnten. Und gerne wären wir noch länger geblieben. Doch unser Entdeckergeist juckte schon wieder arg und so hissten wir schon bald den Anker.

Unser Ziel war wieder einmal Portoferraio. Wind hatte es nicht viel, aber wir kamen vorwärts. Um uns herum rasten Segelboote unter Motor von einer Ecke in die andere, nur wir segelten hartnäckig weiter. Die fünf Knoten, die man unter Motor zurücklegen konnte, schafften wir alleweil.

Und die Küste von Elba war so spektakulär schön, dass wir die Langsamkeit sogar geniessen konnten.

Wir hatten in einem der Segel-Reiseführer gelesen, dass es um Elba zu massiven Kompassabweichungen kommen konnte. Und wenn man die massiven Eiseneinschlüsse im Gestein sah, dann konnte man sich das gut vorstellen.

Da es aber so schön Wetter war und wir eh auf Sicht fuhren, machten wir uns wegen des Kompasses keine Sorgen. Was uns eher Sorge bereitete, war der massive Fährverkehr zwischen dem Festland Italiens und Portoferraio. Und obwohl wir uns so gut wie möglich aus der Zone der Fähren heraus hielten, wurden wir doch einige male ordentlich durchgeschüttelt.

Hinter dieser Burganlage lag Portoferraio. Und so frästen wir mit Vollgas über die Fähren-Autobahn und bargen gleichzeitig die Segel. Den Adrenalin-Kick hatten wir einfach gebraucht, hahaha…!

Nur der letzten Fähre waren wir wohl nicht schnell genug aus dem Weg gefahren und die hat uns noch ordentlich den Marsch geblasen. Aber es ging glimpflich ab und schon bald lagen wir sicher vertäut mitten in der Stadt-Marina von Portoferraio und genehmigten uns unseren obligaten Mojito – mit Sicht auf AnnaSophie inbegriffen!

Die lag prominent in der *Front row“. So eine Aussicht konnte uns keines der nahen Restaurants bieten und so kochte uns der Skipper „Spaghetti with a 360° view“.

Zum Dessert schlenderten wir noch durch die Stadt und erhaschten noch einen Blick auf einen spektakulären Sonnenuntergang.

Wir gönnten uns in einem der Lokale im oberen Teil der Stadt einen Nachttrunk…

…schlenderten durch die Gassen und genehmigten uns wieder einmal ein Gelato. An diesen Ablauf Aperitivo – Cena – Digestivo – Gelato konnte man sich wirklich gut gewöhnen.

Und so blieben wir zwei Tage hier in Portoferraio, bunkerten Vorräte und Wasser und genossen wieder einmal la bella Italianità!

Doch bald ging es weiter. Es gab noch mehr zu entdecken hier an der Nordküste. Weit brauchten wir aber nicht zu segeln, denn schon hinter dem Capo d’Enfola lagen ein paar wunderschöne Ankerbuchten. Wir fackelten nicht lange und steuerten gleich die erste der Buchten, den Golfo di Vittico an.

Dort lag schon dieses Teil vor Anker, in das ich mich umgehend verliebte! So ein Schnuckelputz von Boot. Da hatte ein Eigner weder Kosten noch Mühen gescheut, dieses Juwel zu restaurieren. Also wenn wir AnnaSophie nicht hätten, dann… aber nein, so schnell würden wir unserem Schiffchen nicht untreu werden. Dazu liebten wir sie viel zu sehr. Und mit jeder Seemeile ein bisschen mehr…!

Hier blieben wir zwei Tage und machten so richtig Ferien. Mit schwimmen im Meer, schnorcheln und allem was dazu gehört.

Den Schlummertrunk gab’s dann Abends an dieser schönen Strandbar…

…und den Sonnenuntergang gab’s gratis dazu.

Dann ging’s laaaaangsam und nur vom Vorsegel gezogen in die nächste Bucht, in den Golfo di Procchio. Hier gab es ein Viersternhotel mit einer schönen Strandbar. Super. Diese Bucht war aus nicht nachvollziehbarem Grund viel weniger besetzt als die anderen Buchten hier. Es gab noch ein, zwei weitere Segelboote, aber viiiiel Platz für Jeden. Uns gefiel es jedenfalls. Und der Mojito an der Strandbar war sogar ausgezeichnet.

Und so genossen wir unser Dinner bei Sonnenuntergang und als wir so weisse Gestalten am Strand entdeckten, konnten wir beobachten, dass gleich zwei Brautpaare die schöne Abendstimmung für Pohtoshoots ausnützten.

Wie oft AnnaSophie als Hintergrundmotiv „Braut mit Segelboot vor Sonnenuntergang“ herhalten durfte, ist uns nicht bekannt. Wir jedenfalls frozzelten genüsslich und versuchten auszurechnen, wie viele Sätze Segel man wohl anstelle von diesen teuren Hochtzeitskleidern kaufen konnte…!

Nein im Ernst, wir wünschten den Brautpaaren vom Schiff aus alles Gute und stiessen darauf an, dass die Ehen keinen Schiffbruch erleiden würden.

Danach zogen wir uns in unsere private Lounge zurück und liessen den Tag bei einem Glas Wein und Musik von Al Jarreau ausklingen.

Und da wo die Sonne unterging, da lag unser nächstes Ziel, die Insel Capraia. Wind- und Wettervorhersage waren gut. War ja nur ein Katzensprung, oder…?

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