C’est bizarre, ce Bizerte

Das ist der Vieux Port von Bizerte. Sieht wunderschön aus, mit all den kleinen Cafés rund herum – in denen nur Männer sitzen! Leider roch es weiter hinten ganz übel nach Kloake und ich fratge mich, wie die Cafégäste so ruhig hier sitzen konnten. Naja, manchmal gibt’s halt wirklich nur Eines: Nase zu und durch.

Kennen wir schliesslich aus eigener Erfahrung. So hatte doch der Skipper tatsächlich heute Nachmittag unsere Bordtoilette auseinander nehmen müssen, inklusive Schläuche demontieren, um herauszufinden, was da klemmte und unser Klo unbrauchbar machte. Fazit: zwei Schläuche sind schon ordentlich mit Harnstein zubetoniert und das Umschaltventil für den Fäkaltank war so zu, dass es den Geist aufgegeben hatte. Zum Glück war es nicht kaputt und konnte nach (Duft) intensiver Reinigung wieder wie neu eingebaut werden. Die Schläuche müssen wir zu einem anderen Zeitpunkt mal auseinandernehmen.

Und weil wir schon dran waren, haben wir das Bad komplett auseinander genommen und gereinigt und nachher war alles wieder wie neu. Und zum Glück hatten wir noch Duftkerzen die wir aufstellen konnten. Die haben in kürzester Zeit dem Kloakengeruch den Garaus gemacht.

Und nach der Dusche in der Luxus Duschanlage der Marina (kein Witz, das war erste Sahne und erst die zweite Marina in meinem Leben, die das Prädikat Luxus verdient hatte), gingen wir auf Entdeckungstour in die Stadt. Aber allein schon das überqueren der Strassen war ein Abenteuer…!

Interessant fand ich die Modegeschäfte, deren Modestil man keiner Epoche zuordnen konnte. Die Frauen hatten hier wirklich einen sehr eigenwilligen Geschmack…! Bemerkenswert fand ich auf die blonden Mannequins, die nicht einmal ansatzweise dem hier gängigen Frauentyp entsprachen…???

Es gab schöne Ecken mit Restaurants, Bars und eben die besagten Männer-Cafés. Einmal verfransten wir uns ein wenig in die Hintergassen der Stadt.

So landeten wir unter anderem in einer Gasse, in der es nur Schreiner und Tischler gab. Als wir an einer offenen Türe mit offenen Mündern hängen blieben ob all der Kunsthandwerklichen Objekte, lud uns der Schreiner ein, seine Werkstatt anzuschauen. Mehrheitlich wunderschöne orientalische Schnitzereien gab es zu sehen. Stolz zeigte er uns seine Arbeiten und erklärte uns, wie er das alles hergestellt hatte.

Leider hab ich vor lauter staunen vergessen Fotos zu machen. Wir bedankten uns herzlich und verabschiedeten uns von dem freundlichen Schreiner. Überhaupt war uns aufgefallen, wie freundlich die Menschen uns begegneten. Die Leute waren eher überrascht, hier überhaupt Touristen zu sehen. Es war eine interessante Erfahrung, für einmal selber als Exot aufzutreten…!

Ici, on parle Francais!

Nachdem wir uns noch ein Apéro genehmigt hatten in einer Bar, liefen wir zurück zur Marina. Dort war uns nämlich ein Restaurant aufgefallen im ersten Stock des Club Nautique, das über eine Terrasse verfügte mit Blick über den Hafen.

Dort gönnten wir uns ein feines Abendessen, richtige Baguette und – man glaubt es kaum – eine Flasche tunesischen Wein und für Max ein in Tunesien gebrautes Bier…!! Der Wein schmeckte hervorragend, zum Bier kann ich keine Aussage machen, da ich das Zeug nicht trinke.

Danach spazierten wir in die gut bewachte Marina zurück und schliefen wie die Steine. Zumindest bis der oder besser gesagt, das halbe dutzend Muezzine den Sonnenaufgang und die Allmächtigkeit Allahs besangen.

Am Morgen ging es dann zum Einkauf in die Stadt. Wir fanden die Bäckerei, die uns der Kellner am Abend vorher noch beschrieben hatte und kauften ofenfrische, noch warme Baguette.

Dann fanden wir noch die Markthalle, verliessen diese aber schnell wieder. Das war so unappetitlich, dass es einen schauderte.

Lustigerweise fanden wir vor der Markthatte improvisierte Marktstände, die wunderbares Gemüse und Obst anboten. Dort kauften wir superfeine Tomaten und zwei Melonen. Wir wollten ja eigentlich nur eine Melone, aber der Verkäufer sah so gestresst aus, dass wir seine Einnahmen von einem Dinar (ein tunesischer Dinar = 40 Rappen) halbieren wollten, dass wir ihm die zweite Melone auch noch abkauften.

Und auch sonst gab es viel kurioses zu sehen und ja, das Moped fährt tatsächlich noch. Wie hunderte andere Töffs und Autos in ähnlichem Zustand auch.

Und das ist die Altstadt von Bizerte, eine nicht allzu grosse Burg-artige Anlage und dahinter der Neubau im Hafen, der nicht so recht zu gedeihen schien. Wir waren jedenfalls sicher, dass die Burg vorne auch dann noch stehen würde, wenn das neue Gebäude längst wieder verfallen war.

Die Altstadt hatte doch tatsächlich nur einen Ein- und Ausgang. Auf dem linken Bild rechts zu sehen. Und rechts sieht man einen der Bögen, der die verschiedenen Häuser miteinander verband. Die Leute scheinen hier früher sehr viel kleiner gewesen zu sein.

Es war erstaunlich sauber hier, abgesehen von den vielen streunenden Katzen. Und praktisch alle Häuser waren in einem top Zustand. Das war wirklich ein Highlight.

Nachher umrundeten wir das Gemäuer um zu schauen, ob wir nicht doch einen weiteren Eingang verpasst hätten. Aber es gab tatsächlich nur ein Eingangstor. Zwei Stellen entdeckten wir jedoch, die sicher mal Eingänge gewesen waren, aber man konnte sehen dass die schon vor sehr langer Zeit zugemauert worden waren. C’est bizarre, ce Bizerte.

Danach ging’s zur Marina zurück. Wir mussten dem Zaun entlang laufen, der das Marinagelände umschloss. Am Zaun waren Plakate aufgehängt, auf denen man die Ausbaupläne für die Marina bewundern konnte. Die hatten Grosses vor hier…!

Aber ob sich in Zeiten des Terrors viele reiche Yachtbesitzer jemals hierher verirren würden, wagten wir zu bezweifeln.

Und so sehen Fantasie und Realität aus wenn man sie nebeneinander stellt. Ach, das wird schon werden.

Aber bevor wir zum Schiff zurück gingen, warfen wir noch einen Blick auf den wunderschönen menschenleeren Strand – der sich weiter hinten leider als Müllkippe entpuppte. Schade…!

Am Abend gingen wir nochmals im gleichen Restaurant essen, das laut Aussage eines Angestellten der Marina eines der Besten war in ganz Tunesien. Aha, da hatten wir wieder einmal das richtige Näschen gehabt.

Am nächsten Tag machten wir uns bereit zur Heimfahrt. Aber zuerst mussten wir natürlich auf den Zollbeamten warten, der uns die Aufenthalts- und die Ausreisebescheinigung aushändigen würde. Ausserdem wollte er nochmals das Innere des Schiffes kontrollieren, um sicher zu stellen, dass auch ja niemand mitreisen würde.

Und ein kleines Cadeau wurde natürlich auch erwartet. Und nachdem ihm Max zwei Tafeln Schweizer Schokolade „pour les Enfants“ und 20 Euro in die Hand gedrückt hatte, konnten wir endlich die Leinen los werfen und uns durch die imposante Hafeneinfahrt wieder hinausschlängeln auf’s offene Meer.

Der Wetterbericht hatte für die Überfahrt „wenig Wind und wenn doch, genau auf die Nase“ vorausgesagt. Wacker versuchten wir, die paar kläglichen Knoten Wind mit Hilfe des Gennakers in Fahrtgeschwindigkeit umzuwandeln. Aber „Geni“ flatterte nur irritiert um die Wanten und so zogen wir ihn schnell wieder ein, bevor er sich in unserer Takelage verheddern konnte.

Und noch ein letzte Blick zurück, bevor die tunesische Küste vom Horizont verschwand.

Und diesmal konnten wir die Frachtstrasse bei Tag durchfahren. Aber auch am Tag gab es einige spannende Annäherungen…!

Diesmal war auch klar, wer Vortritt hatte. Wir waren diesmal ja auch unter Motor und die kamen von Rechts…!

Sonnenuntergang Nr. 37’584. Und immer noch so atemberaubend wie der Allererste.

Und dann wurde es langsam Nacht. Ein kleines bisschen Wind war vorhanden und so schlugen wir das Grossegel trotz Motor an. Es stand gut und half, ein wenig Diesel zu sparen.

Das ist zwar eine Fotomontage, aber so in etwa sieht es aus, wenn man in der Nacht unter Segeln unterwegs ist.

Hach, es gibt nichts Schöneres als wenn die gut getrimmten Segel wie scharfe Messer den Nachthimmel durchschneiden. Wenn die Milchstrasse um die Mastspitze tanzt und wir das fluoreszerende Plankton im Wasser wie einen Kometenschweif hinter uns herziehen.

Dann wünscht man sich, die Nacht würde niemals enden und dass sich unser Boot in ein Raumschiff verwandeln würde, für immer unterwegs in der Endlosigkeit des Firmaments…

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