Tunisie? – Insch’ Allah!

So, das ist also die Marina von Bizerte. Ich kann nicht sagen, dass die Überfahrt sehr angenehm gewesen wäre und unsere ganze Routenplanung war natürlich auch wieder mal voll in die Hose gegangen. Aber was soll’s, wir hatten es unbeschadet nach Afrika geschafft…

Wir hatten ja geplant, von Porto Giunco am Capo Carbonara aus direkt nach Tunesien zu segeln. Alles hatte gestimmt. Die Windvorhersage hatte Nordwind und Welle ebenfalls aus Norden angekündigt. Es hätte uns direkt in den Hafen von Bizerte gepustet. Für den Rückweg drei Tage später hätte es Südwind gehabt. Uns hätte es im nu wieder zurück gespült!! Es hätte – wenn Max nicht am Abend vor dem Ablegen gemerkt hätte, dass er ja seinen Pass gar nicht dabei hatte…

Jaja, einige Blogleser werden jetzt so ein kleines „dejà lu“ haben, denn vor zwei Jahren hatten wir das Problem ja schon einmal gehabt. Damals hatte ICH am Vorabend der Reise nach Marokko gemerkt, dass ich den Pass nicht dabei hatte.

Und jetzt war es also Max passiert. Was tun?!? Mit dem Taxi nach Cagliari, von dort schnell nach Hause fliegen? Ouf! Viel Aufwand, aber es würde funktionieren. Wir haben hin- und her überlegt. Dann hatte Max die Idee, meine Schwägerin Barbara anzurufen und sie zu bitten, den Pass bei mir zu Hause aus der Schublade zu nehmen und mit DHL nach Cagliari an die Marina Sant Elmo zu schicken. Und wir würden mit dem Schiff dann halt von Cagliari aus nach Tunesien segeln müssen.

Gesagt – getan, Barbara hat den Pass geholt, DHL hat den Pass bei Barbara abgeholt und wir kämpften uns in der Zwischenzeit gegen Starkwind, meterhohe Wellen und Strömung nach Cagliari, wo wir dann zwei Tage auf den Pass gewartet haben…!

Und was macht man so den ganzen Tag wenn man warten muss? Genau, man werkelt am und im Schiff herum. Max hat sich beim Shipchandler ordentlich Zeitvertreib in Form von Ersatzdioden, Kabel samt Briden, einem Rücklicht und einer Gastlandflagge für Tunesien eingedeckt.

Und ich habe mich der Wäsche gewidmet. Eigentlich hatte es ja eine Waschmaschine samt Trockner in der Marina. Aber das Ding war so ein Vollautomat mit eingebautem Seifenspender. Damit hatten wir bis dato nur schlechte Erfahrungen gemacht. Und für den wertlosen Mist verlangten sie 7 Euro. Da greift Frau doch lieber wieder mal auf die Boots-eigene Waschmaschine zurück…;-)

Und das geht so: man nehme einen qualitativ guten wasserdichten Seesack (z. Bsp. Ortlieb), fülle die Wäsche in den Sack und gebe Wasser und Waschmittel dazu. Dann verschliesst man den Sack und rollt ihn einige Minuten auf dem Boden umher, so wie es eine Waschmaschine auch tun würde. Danach stellt man den Sack für einige Stunden oder über Nacht aus dem Weg.

Anschliessend oder am nächsten Tag nimmt man die Wäsche aus dem Sack und verschliesst diesen wieder. Ich fülle die seifige Wäsche dann in einen zweiten Sack und trag sie zum Auswaschen in die Dusche, wo es meist geeignetere Waschbecken hat als das unsere an Bord und weil ich ganz einfach Hemmungen habe, auch nur einen Tropfen Waschlauge via unserem Waschbecken ins Meer zu lassen. Den Sack mit der Seifenlauge transportiere ich dann separat in die Dusche oder – wenn vorhanden – ins Waschhaus und entsorge die Seifenlauge dort.

Und wenn wir auf hoher See waschen müssen, dann verwende ich anstelle des regulären Waschmittels diese Nüsse, die ich einmal in einem Seglershop in Holland entdeckt habe. Dazu gibt man eine Handvoll dieser Nüsse in den Sack mit der Wäsche, wo sie tatsächlich eine Art Seifenlauge absondern.

Dazu muss ich aber die Flecken vorher mit Ochsengallenseife einreiben, denn gegen Flecken sind die Nüsse machtlos. Das alles kann natürlich problemlos ins Meer entsorgt werden, da 100% biologisch.

Und wenn man nichts mehr zu tun hat oder zu nichts mehr Lust hat, dann begibt man sich ins tiefenentspannte Restaurant der Marina Sant Elmo, wo man sich einen Drink genehmigt…

…oder man radelt wieder einmal Cagliari an, wo es ja weiss Gott spannend genug ist. Und dann sind die zwei Tage Warten ja auch schon um und der Pass müsste eigentlich schon da sein.

Müsste. War er aber nicht. Auch nach mehrmaligem insistieren im Marinabüro kam der Pass nicht zum Vorschein. Erst als Max auch die anderen Marinas von Cagliari per Rad besuchte, konnte er den Pass an der Reception der Marina di Bonaria in Empfang nehmen. Grrrrr!! Aber sich aufregen bringt nichts. Ausserdem wollten wir endlich los!

Aber dann machte uns das Wetter wieder einen Strich durch die Rechnung und wir mussten wegen Sturm noch einen Tag in der Marina Sant Elmo anhängen…!

Aber am Sonntag, dem 24.9. Nachmittags um 15:15 Uhr hiess es endlich Leinen los! Und wir hissten gleich hinter der Hafenmole von Cagliari die Segel und legten Kurs an nach Tunesien. Das schlechte Wetter vom Vortag hatte uns viiiiel Wind (aus der perfekten Richtung) beschert – aber auch ordentlich Welle…!

Und nachdem die Segel getrimmt waren, konnten wir (mehr oder weniger) entspannt zurücklehnen und dem Wind und dem Autopiloten die Arbeit überlassen. Wir hatten mit 24 Stunden Weg gerechnet und waren deshalb erst spät gestartet. Wir wollten den Nachtteil noch möglichst in Italienischen Gewässern, sprich, am Anfang verbringen und die Tunesische Küste bei Tageslicht durchqueren. Laut unserer Planung wären wir dann um etwa 15 Uhr in Tunesien angekommen.

Schlimm waren aber die Wellen. So schlimm hatte ich noch nicht einmal die Wellen in der Biskaya empfunden. Es war, als ob dein Haus in einem Dauererdbeben wäre. Die Freiwache (die Ruhephase von 3 Stunden) war eine Qual, schlafen war unmöglich. Wir entschieden uns schon bald, den Kurs so zu ändern, dass uns die Wellen nicht mehr so störten. Dadurch mussten wir zwar mehr Weg machen, aber da wir so schnell waren, würde das wieder kompensiert werden.

Arrivederci, Sardegna…!

Sonnenuntergang, irgendwo…!

Risotto ai Funghi come cena – sul mare…! Cosa vuoi di piu?!

Mit fast 9 Knoten unterwegs in der stockdunklen Nacht. Bloss nicht nachdenken…! Die 12 Meter Wassertiefe muss man ignorieren. Manchmal erwischt das Echolot einen Fischschwarm und dann zeigt es bei 2000 Metern Wassertiefe plötzlich so was an. Lustig, nicht? Hahahaha…Puls, kannst wieder runter kommen.

Aber eben. Unser Sophiechen machte uns wieder mal einen Strich durch die Rechnung/Planung. Wir waren so schnell unterwegs, dass wir mitten in der Nacht die Grenze zu Tunesien übersegelten. Was nicht weiter schlimm war. Es waren weit und breit keine bösen Piraten zu sehen. Wir hatten uns da zu viele Gedanken gemacht.

Und in der Morgendämmerung sah ich dann so ein riesen Ding von der Seite her auf mich zukommen. Zum Glück hatte das Ding AIS. Schnell auf dem Screen angeklickt und – aha – ein Frachter. Beim studieren der Daten fiel mir die Längenangabe auf. Die wird normalerweise in ft (Fuss) angegeben. Hier stand: Länge 0.215 Nautische Meilen. Ich war baff. Das Ding war 400 Meter lang!

War ich froh, als ich die Mathilde in sicherer Distanz in unserem Kielwasser hatte…! Das Verhältnis von diesem Schiff zu unserem ist etwa so wie eine Mücke zu einer Windschutzscheibe…!

Das Frühstück konnten wir dann gemütlich entlang der Tunesischen Küste zu uns nehmen.

Und bald lag auch Bizerte weiss und verlockend vor uns. Wir hatten es geschafft! 4 Stunden früher als geplant rundeten wir die Hafenmole der Marina von Bizerte. Und alle Strapazen waren vergessen. Es war herrliches Wetter und unser Entdeckungsdrang kribbelte uns unter den Füssen…!

Aber erst gab es noch das Offizielle zu erledigen. Schon von Italien aus hatten wir unser Ankunftsdatum und unsere Daten an die Marina in Bizerte schicken müssen. Und als wir angelegt hatten, war es uns nicht erlaubt von Bord zu gehen, bevor nicht ein Zollbeamter und die Polizei unser Boot inspiziert hatten. Und so sassen wir halt ziemlich übermüdet in unserem Cockpit und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Aber schon nach etwa 20 Minuten erschien der Zollbeamte und hiess uns erst mal ganz herzlich Willkommen. Er wollte wissen, wie viele Flaschen Alkohol, wie viele Waffen und was für Drogen wir an Bord hatten. Er inspizierte staunend unser Boot und meinte nur, dass er selten ein so schönes und sauberes Boot gesehen hätte und ach, er habe schon schlimme Dinge gesehen. Und über die Schweizer Schoggi die ihm Max in die Hand drückte, freute er sich ausserordentlich.

Dann kamen noch zwei Polizeibeamte vorbei, nahmen uns die Pässe ab und inspizierten noch einmal alles genau und auch sie hiessen uns herzlich Willkommen und wünschten uns einen schönen Aufenthalt in Tunesien. Nach kurzer Zeit waren die Pässe – mit Stempel versehen – wieder bei uns an Bord und wir waren erlaubt von Bord zu gehen.

Aber wir legten uns erst mal in unsere Kojen und holten den Schlaf nach, den uns die Wellen auf der Überfahrt geraubt hatten. Das Entdecken musste noch ein wenig warten…!

Und zum Schluss noch ein wenig Statistik:

0 Kommentare
  1. Hallo Doris und Max wir haben uns sehr über euer Lebenszeichen gerfreut . Wir wünschen euch weiterhin gute fahrt.Mast und Schot bruch und eine Handvol Wasser unter dem Kiel. Liebe grüsse Hedy und albert

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