Jaja das Wetter…

Die letzten paar Tage hatten es wirklich klar gemacht, dass der Herbst vor der Tür stand. Zum Glück hatten die stürmischen Winde für uns bisher nur Positives gebracht. So hatte uns der Nordwestwind immer schön vor sich her gepustet oder hatte uns schöne Halb-Wind Trips verschafft.

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So auch auf dem Weg von Cagliari nach Villasimius, wo wir uns eine zweite Werft (nach Cagliari) anschauen wollten als eventuelles Winterlager. Superschnell unterwegs und immer irgend eine Regenzelle im Nacken, die wir gemütlich vom Cockpit aus bewundern konnten.

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Wir konnten sogar Fadengerade bis vor die Einfahrt der Marina segeln, wo wir dank übereifriger Marineros mit Kippen im Mundwinkel ziemlich chaotisch an einem dem Wind zugewandten Steg anlegen mussten. Fluchend schworen wir uns, uns das nächste mal nicht mehr via Funk voranzumelden, sondern einfach selbständig in der Marina anzulegen. Das war wirklich das Gegenteil von Hilfreich gewesen.

Kurze Zeit später wurde das nächste Schiff ebenso chaotisch/idiotisch neben uns an den Steg bugsiert. Und auch dort war man nicht sehr happy mit der unerwünschten „Hilfe“.

Als wir dann feststellten, dass die Crew aus der Schweiz stammte, kamen wir schnell ins Gespräch. Gabi und Daniel waren zwei Wochen mit einem Charterboot in Sardinien unterwegs und wir konnten die eine oder andere Information austauschen.

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Die Marina schien von Weitem einen guten Eindruck zu machen und laut Hafenführer gab es hier eine Werft (für uns besonders interessant), Restaurants, Boutiquen und einen Supermarkt und einen Shuttlebus ins 4 Km entfernte Villasimius.

Die Werft machte einen guten Eindruck (wenigstens durch die geschlossenen Gates hindurch), die Resaturants waren gruselig ausgeleuchtete Verpflegungshallen mit dem Charme von Bahnhofstoiletten und mit unmotiviertem Personal, die Boutiquen hatten alle schon längst den Laden dicht gemacht. Einzig der klitzekleine Supermercado war in tadellosem Zustand und führte alles was Segler so brauchen um zu überleben.

Eigentlich hatten wir ja hier essen wollen, aber nach einem Blick in die Restaurants hier beschlossen wir, den Shuttlebus in die Stadt zu nehmen.

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Der Shuttlebus fuhr aber nicht direkt in die Stadt, sondern klapperte alle – auch die entlegensten – Hotels ab. Und Hotels gab es hier wie Sand am Meer. Für die vier Kilometer lange Strecke waren wir am Schluss etwa 10 Km gefahren. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn da nicht der Hunger gewesen wäre, der mit jeder Kurve intensiver wurde.

Villasimius war eine der Hochburgen des Tourismus auf Sardinien und war eigentlich ein recht verschlafenes, von Hotels umzingeltes Nest, das eiligst Touristenkompatibel gemacht worden war, indem man einfach die Hauptstrasse zur Fussgängerzone erklärt hatte. Das war recht bizarr.

Bei der Suche nach einem Restaurant liefen wir dann unseren Stegnachbarn Daniel und Gabi wieder über den Weg. Diese hatten uns von einer Gartenbar aus zugewunken, wo sie grad ein Apéro genossen. Gerne gesellten wir uns dazu. Nach dem Apéro eilten die beiden zu einem Restaurant wo sie vorgängig einen Platz reserviert hatten und wir fackelten nicht lange und begaben uns in den zweiten Stock der Bar, wo wir uns wieder mal eine Pizza genehmigten. Ich sollte doch nicht etwa noch auf den Geschmack kommen…?

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Vecchia Fortezza, Marina Villasimius, Capo Carbonara (…)

Am nächsten Tag hatten wir unsere Stegnachbarn noch zu einem Kaffee eingeladen. Und als wir so gemütlich beisammen sassen, fing es an zu regnen wie aus Kübeln. Und so dauerte das Kaffee trinken dann halt ein wenig länger. Sie wollten noch bis Arbatax und dann umdrehen und zurück nach Cagliari, wo sie ihr Boot zurückgeben mussten. Als wie feststellten, dass wir in etwa zur gleichen Zeit in Arbatax sein würden, verabredeten wir uns dort zum Nachtessen.

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Zwischen zwei Regengüssen ergriffen sie dann die Flucht nach Vorne und wir dislozierten von der Marina in die Ankerbucht gleich vor der Marina, wo wir uns an eine Boje hängten.

Und wer immer schon mal wissen wollte, wie so eine Boje denn verankert ist…voilà! So was hatte ich selbst auch noch nicht gesehen. Das Wasser war so glasklar, dass man jedes Sandkörnchen erkennen konnte, das der Riesige Betonblock zur Seite geschoben hatte.

Hier wollten wir in Ruhe ein wenig arbeiten und der immer wiederkehrende Regen machte das zu einem sehr entspannten Arbeitstag.

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Und ab und zu streckten wir unsere Köpfe aus dem Salon, um zu schauen, wann der nächste Regenguss kommen würde. Und konnten uns dann an immer neuen traumhaften Szenerien erfreuen.

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Gegen Abend liessen Wind und Regen nach und die Stimmung wurde immer atemberaubender…!

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Und der Sonnenuntergang gab dann sogar noch eins obendrauf…!!

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Da wir uns hier am Capo Carbonara, dem südöstlichsten Zipfel von Sardinien befanden, war es irgendwie logisch, dass es Spaghetti Carbonara zum Abendessen gab, oder etwa nicht!?

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Am nächsten Tag legten wir früh ab und rundeten das Capo Carbonara mit seinem schönen Leuchtturm und fuhren Richtung Norden. Wir wollten es noch bis Arbatax schaffen, wo wir uns ja mit Daniel und Gabi verabredet hatten.

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Der Wind war sosolala, Zieharmonika mässig und ziemlich nervig und flautig. Nur das von Sizilien kommende Unwetter bot ein Spektakel der Sonderklasse. Den Genaker rauszunehmen war eine Option, die wir schnell wieder verwarfen. Starkwind war angesagt worden und der hätte diese Übung wohl schnell wieder beendet.

Und so fuhren wir mit Grossegel und Yanmar der Küste entlang. Dafür konnte ich in aller Ruhe unter Deck noch meine Arbeit erledigen.

Irgendwann rief mich dann Max an Deck und zeigte aufgeregt auf ein Segelboot, das uns entgegen kam. Das sind sie!! Dani und Gabi!! sagte er und nach wilden fuchteln und Winken änderte das Boot tatsächlich den Kurs und es waren tatsächlich Gabi und Daniel, die da entgegen kamen. Ähm…hatten wir uns nicht in Arbatax verabredet?!? Was machten sie dann in der entgegengesetzten Richtung?

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Schnell legten wir unsere Schiffe mitten auf dem Meer ins Päckchen und sie erzählten uns, dass der letzte Hafen, den sie besucht hatten, ein totaler Flop gewesen war und sie keine Lust hatten, weiter in der Flaute herumzutuckern, nur um schnell nach Arbatax zu fahren und dann wieder umkehren zu müssen. Sie wollten weiter unten Wind suchen und die letzten Tage entspannt verbringen.

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Bei Kaffee und Keksen mitten auf dem Meer verabredeten wir uns dann trotzdem in Arbatax. Sie hatten eh vorgehabt, ein Auto zu mieten und sich das Hinterland von Sardinien ein wenig anzuschauen. Und mit dem Auto war es natürlich einiges einfacher, nach Arbatax zu gelangen.

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Nach fertig geschmiedeten Plänen entwirrten wir unsere Boote wieder. Der Wind hatte doch noch aufgefrischt und so konnten wir alle Segel setzen und segelten in entgegengesetzten Richtungen davon.

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Hier war die Küste sehr karg besiedelt und nur das Militär schien sich hier niedergelassen zu haben. So turnte dann – wie uns Daniel schon erzählt hatte – ein Eurofighter um die Mastspitze und durch die Wolken.

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Kurz nach Sonnenuntergang erreichten wir dann das Capo Bellavista, hinter dem Arbatax lag. Wir hatten aber noch keine Lust auf Hafenluft und so fuhren wir in die gleich vor uns liegende Bucht Porto Frailis.

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Hier schmissen wir unseren Anker in der exakten Mitte der Bucht raus. Wir waren das einzige Boot und so konnte man sich so was ja mal erlauben. Der Hafenführer hatte zwar davor gewarnt, dass es hier in der Bucht sehr laut werden könne dank der Restaurants und Bars am Strand. Aber wir fanden nur angenehme Stille und diese irre Stimmung vor, wo der Himmel und das Meer ineinander verflossen und unser Boot zum Raumschiff wurde…!!

Nach Dunkelheit klang dann doch noch Musik vom Ufer herüber. Es war aber nur Angenehmes, das den schönen Abend vor Anker nur noch untermalte.

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Am nächsten Tag war es heiss und sonnig und das kühle Nass lockte mit dem smaragdgrünen Wasser, von dem Costa Smeralda ja ihren Namen hatte.

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Ich ging wieder mal Anker gucken und entdeckte dabei neben der Kette ein halbes Dutzend dieser Zwergbutte (in der rechten unteren Ecke ist er), die immer wieder unsanft von der schwoienden Kette verscheucht wurden…

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…nur um sich gleich wieder neben der Kette niederzulassen. Was das wohl hätte werden sollen? Dieses Verhalten war für mich äusserst amüsant, machte aber keinen Sinn. Naja, die Viecher werden schon wissen warum sie das machen.

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Gegen drei Uhr verliessen wir dann unser hübsches Plätzchen und fuhren Richtung der gleich um die Ecke gelegenen Marina von Arbatax.

Auf dem Weg dorthin konnten wir sehen, wie kreativ manche Hotels ihren Gästen Zugang zu ein bisschen Geröllstrand verschafften…!

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Das Capo Bellavista in seiner ganze Schönheit…!

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Und auch hier hatte sich ein Hotel was besonderes einfallen lassen müssen für einen Zugang zum Meer. Hier kamen bestimmt keine lästigen Strandverkäufer hin…!!

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Und bald lagen wir dank eines sehr zuvorkommenden und kompetenten Marineros bald sicher vertäut an einem der Stege in der Marina.

Gegen Abend kamen Daniel und Gabi zum Steg und wir genossen an Bord der AnnaSophie noch ein Apéro und erzählten uns gegenseitig, wie es uns so ergangen war seit unserem Treffen auf dem offenen Meer.

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Wir fuhren dann mit dem Mietauto wieder zurück in die Cala Fraili, wo wir im Restaurante Il Faro ein feines Abendessen genossen. Leider war es jetzt bereits früh dunkel und man konnte das Meer nicht mehr sehen. Aber dafür konnte man es noch hören und das war ja auch schon was.

Es wurde viel diskutiert und Max und Daniel entdeckten ihre gemeinsame Liebe für Zermatt und das Skifahren und so kam es, dass wir uns für nächsten Januar in Zermatt verabredeten – zwar nicht zum Ski fahren aber dafür zum Fondue essen. Und nein, wir waren nicht betrunken, als wir diese Abmachung trafen.

Danach verabschiedeten wir uns und winkten Goodbye. Gabi, Daniel, es war wirklich schön, eure Bekanntschaft gemacht zu haben und das mit Zermatt gilt, gell!?!

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Am nächsten Tag hatten wir ein wenig Zeit, uns die hübsche Marina ein wenig näher anzuschauen. Hier war wirklich alles tipptopp! So eine schöne Marina hatten wir zuletzt in der Karibik gesehen. Ob das damit zu tun hatte, dass hier eine Frau das Sagen hatte…?

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Nachdem ich entdeckt hatte, dass es hier einen vorzüglichen Waschraum mit drei Waschmaschinen gab, kam uns in den Sinn, dass ja Wäsche waschen schon lang wieder mal fällig war. Schon praktisch, dass es auf einem Segelboot Leinen zuhauf gibt… 😉

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Werften besuchen stand auch noch auf dem Programm und so wanderten wir von einer Werft (nur Grossschiffe)…

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…zur nächsten (nur Kleinschiffe)…

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…und zur nächsten. Hier waren wir schnell überzeugt, dass das ein Plätzchen wäre für unsere AnnaSophie. Der Chef machte einen sehr kompetenten Eindruck und die Werft war jetzt schon voll, was ja sicher ein gutes Zeichen war. Und es hatte sogar noch Platz. Und so liessen wir uns eine Offerte machen, die wir dann mit all den andern Offerten, die wir schon hatten und die noch kommen sollten, vergleichen würden.

Der Vorteil hier war dass es günstiger war als Cagliari oder Olbia, dafür war es sehr abgelegen. Von beiden Flughäfen war der Ort etwa drei bis vier Stunden entfernt. Es gab keine Autobahn hierher und man musste mit dem Auto durch die Berge. Das war nicht sehr praktisch, wenn wir im Winter hierher kommen wollten…

20161007-33
Trotz allem, Arbatax war wirklich einen Abstecher wert gewesen. Und…hier gibt es feine Mojitos…

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