Almost finished

Tja, nun waren wir wieder allein. Fredy war wieder zu Hause bei der Familie. Und was macht man am besten wenn man allein ist? Man geht Essen.

Und genau das taten wir. Da ich ja nicht mit nach Marokko hatte fahren können, beschlossen wir, in einem Marokkanischen Restaurant Essen zu gehen. Und zwar nicht in irgend einem Marokkanischen Restaurant, sondern in dem Restaurant, wo wir im April 2007 mit der Crew eines Überführungstörns auch schon gegessen hatten. Und dass wir das Restaurant überhaupt wieder fanden war ein purer Zufall.

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Es gab eine Ckicken Tahine für mich und eine mit Lamm für Max. Das war ein leckeres Trösterchen.

Und Trösterchen konnten wir auch sonst gut gebrauchen: die letzte Etappe unserer Reise lag vor uns. Dieser letzte Schlag würde uns nach Portimão führen, wo wir AnnaSophie für den Winter einstellen würden. Das drückte schon auf die Stimmung.

Aber wir wollten uns nicht unterkriegen lassen und diese letzte Strecke besonders geniessen.

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Am nächsten Morgen als wir die Marina verliessen, fuhren wir erst mal zur Tankstelle in der Ocean Village Marina. Da Gibraltar britisches Überseegebiet ist, ähnlich einer Exklave, gilt es als Zollfreigebiet und der Treibstoff ist unglaublich billig. So haben wir für das Füllen unserer beiden Tanks 135 britische Pfund bezahlt, etwa 200 Schweizer Franken. Vor zwei Jahren hatte ich in Schweden für das Befüllen 930 Franken bezahlt. Ist das nicht Verrückt?

Und deshalb kommen wahrscheinlich sogar U-Boote hierher zum Auftanken…

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Aber dann ging’s los. Erst mussten wir uns bei Starkwind und üppigem Wellengang wieder durch unzählige vor Anker liegende Tanker und hin- und her sausende Fähren durch die Bay of Gibraltar kämpfen.

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Der Himmel sah aus als ob jemand ein Kissen zerfetzt und die Federn ausgeschüttelt hätte…

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Unser erstes Ziel war wieder Barbate. Hier hatten wir ja schon mit Fredy angelegt auf unserem Weg nach Marokko.

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Und wieder erschien es uns merkwürdig, dass ein neu erbautes Marinagebäude schon vor der Vollendung zu vergammeln schien. Nur diesmal schauten wir genauer hin… und fanden schliesslich heraus, warum das Gebäude leer war.

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Ey Fredy, jetzt ist es endlich klar warum niemand einen Fuss in das neue Gebäude setzen will! Nun ja, ich bin ja kein Experte, aber hier würde ich auch nicht einziehen. Da war es wohl wirklich besser, man hielt einen gewissen Sicherheitsabstand ein.

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Aber dafür trauten wir unseren Augen kaum, als wir an der Mauer und an den Stegen im Hafenbecken diese wunderschönen Unterwasserflechten, Anemonen und Nacktkiemer entdeckten. So was prachtvolles hatten wir zuletzt beim Tauchen im Roten Meer gesehen!

Wir waren überzeugt, dass diese Gegend sicher eine spannende Unterwasserwelt zu bieten hatte. Allein schon die vielen Wracks entlang der Küste waren bestimmt ein Abenteuerspielplatz für Taucher.

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Aber bald schon waren wir wieder unterwegs und die dunklen Wolken, die am Anfang noch bedrohlich nach Regen aussahen, lösten sich irgendwann in Sonnenschein auf.

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Ein erstaunlicher Anblick bot sich uns als eine Gruppe Störche an uns vorbeizog Richtung Afrika. Das war ja hier gleich um die Ecke. Hach, die Vögel zogen weiter und der Herbst kam näher und näher…

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Das Wetter wurde immer besser und bei hochsommerlichem Wetter erreichten wir wieder das Bojenfeld von Sancti Petri. Mir schien, die flussartig starke Strömung in der Lagune  war noch stärker geworden seit dem letzten mal. Wir waren zeitweise an der Boje hängend mit 1.7 Knoten „unterwegs“, mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung.

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Am nächsten Tag war ja mein Geburtstag und wir verbrachten ein paar sonnige Stunden auf der Halbinsel Punta del Boqueron.

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20150918-14Diese Landzunge stand unter Naturschutz und wir staunten bei unserem Spaziergang wieder einmal, wie hartnäckig sich das Leben hier an diesen flüchtigen Grund klammerte.

20150918-1536°23’44.51″N / 6°12’19.25″W           Bar Flotante

Am Abend machten wir uns mit dem Dinghi auf nach Puerto de Sancti Petri, wo wir in der Bar Flotante meinen Geburtstag feiern wollten.

20150918-16Hier sprach man kein Englisch und auch die Speisekarte war in Spanisch. Carne und Pescado konnten wir grad noch so interpretieren, aber bei den Bezeichnungen der verschiedenen Fische mussten wir dann halt einfach raten. Das Wort Atún war uns inzwischen geläufig, da wir an dieser Küste ja schon einige male Redes de Atún (Thunfischzuchten) hatten umfahren müssen.

Und so kam es wie es kommen musste. Wir bestellten den Dritten Fisch von Oben, da der Name (ist mir inzwischen entfallen) irgendwie schmackhaft klang und staunten nicht schlecht, als wie einen Teller voll frittierter Baby-Oktopusse vorgesetzt bekamen.

Das heisst, so richtig sicher waren wir uns nicht, es hätten auch Seegurkenpenisse sein können. Aber so weit wollten unsere Gehirnzellen wohl nicht gehen und so blieben wir bei den Baby-Oktopussen. Was immer es auch war, es schmeckte vorzüglich. Und die Thunfischsteaks waren hervorragend! Na denn Prost!!

20150918-17Den Schlummertrunk gab es wie immer an der Hausbar von AnnaSophie. Wenn wir so weiter machten, würden wir den Deckel der Hausbar schon bald wieder zukriegen (die ja von Sherry, Porto und Whisky überquoll).

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Am nächsten Morgen dann dieses Bild: dicke Wolken und am Horizont vorbei ziehender Regen. Aber das war noch nicht mal das Schlimmste. Stürmischer Wind hatte ordentlich Wellen aufgebaut.

20150918-18xUnd als wir durch die enge Passage aus der Bucht herausfahren wollten, stellten sich uns die Nackenhaare auf. Die Wellen in der Ausfahrt waren Meterhoch und wir hatten immer noch Niedrigwasser und die Strömung gegen den Wind. Und die Einfahrt war an der seichtesten Stelle nur etwa 2.5 m tief bei Niedrigwasser. Das bedeutete, dass die Gefahr von Grundseen imminent war.

Jeder Segler weiss, dass Grundseen etwas vom gefährlichsten waren für ein Schiff und seine Crew. Wir kehrten um und legten uns wieder an die Boje, wo wir zwei Stunden warteten.

Danach hatten sich der Wind und die Wellen gelegt und wir hatten einen Meter mehr Wasser unter dem Kiel. Diesmal kamen wir problemlos aus der Bucht heraus.

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Cadiz liessen wir diesmal links (oder besser gesagt Rechts) liegen und wurden vom Wind weiter bis nach Chipiona geschoben.

Schnell vertäuten wir das Boot am Steg und packten unsere Brommies aus. Wir wollten noch Vorräte bunkern und die Sonne war schon am untergehen. Tja, es wurde schon spürbar früher dunkel als noch vor ein paar Wochen.

20150918-20Das Städtchen war sehr hübsch und musste wohl im Sommer vor Touristen überquellen, wenn man sich all die Souvenirshops und Boutiquen so ansah.

Nur Supermercados konnte man keine sehen. Wir mussten uns bis zu einem Mini Carrefour durchfragen. Und Frischmilch gab’s wieder mal keine. Die Spanier scheinen auf die UHT Version zu stehen, yuck! Aber dafür gab’s wieder mal von diesen fetten, verschrammten, ein bisschen vergammelten, überreifen Tomaten, die wir so liebten! So was gab’s dafür bei uns zu Hause nicht mehr. Und hier durfte man ja ohne schlechtes gewissen Gemüse aus Spanien kaufen… 😉

20150918-21Wir schafften es dann noch vor Einbruch der Dunkeheit auf’s Schiff zurück. Beim anschliessenden Duschen in den Sanitäranlagen der Marina konnten wir wieder einmal ein Stück spanischer Sanitärbaukunst bewundern.

Ich war allein in der Frauendusche und kaum hatte ich meine Haare voll Schaum, ging das automatische Licht aus und liess sich weder durch Schreien, Stampfen oder an die Tür hämmern dazu bewegen, wieder Licht zu spenden. Das lag wahrscheinlich daran, dass  der Bewegungsschalter bereits taub war von dem infernalischen Kreischen der Wasserleitungen.

Das einzig Gute daran war, dass ich genau darüber informiert war, wann Max seine Dusche bei den Männern drüben in Betrieb hatte und wann nicht und wusste, wann er die Dusche verliess, um zum Boot zurückzukehren.

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36°47’19.47″N / 6°25’40.08″W

Am nächsten Morgen konnten wir kurz nach dem Ausfahren aus der Marina noch das Wrack eines Frachters sehen, der es nicht in die Einfahrt des Flusses Guadalquivir, der nach Sevilla führt geschafft hatte.

Und auch sonst wurde es ein nervenaufreibender Tag. Offenbar waren sämtliche Fischtrawler in diesem Gebiet heute aufgerufen worden, uns das Leben schwer zu machen. Stundenlang umschwirrten sie uns von allen Seiten. Einige waren mit Schleppnetzen unterwegs. Das war ja nicht immer ganz gefahrlos, speziell wenn man hinter den Booten durch musste. Wer konnte schon sagen, wie weit diese Netze hinter den Trawlern heraushingen.

Und so legten wir die eine oder andere unfreiwillige Wende hin oder schmissen mal schnell den Motor an, um mit Vollgas vor einem dieser lästigen Dinger durchzukommen.

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Als die Sonne unterging, war es auch wieder mal an der Zeit für einen Flaggenwechsel. Und so liessen wir die spanische Flagge unter- und die Portugiesische wieder aufgehen.

Die vielen Fischtrawler hatten sich inzwischen aus dem Wasser gemacht und nach einem traumhaft schönen Sunset Dinner segelten wir in die Nacht.

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Mitten in der Nacht erreichten wir den Ankerplatz vor der Ilha de Culatra. Zum Glück kannten wir die Einfahrt schon, denn die war auch nicht ganz gefahrlos. Nur hatten wir diesmal wenigstens Hochwasser und wir konnten dank unserem GPS, das den Ankerplatz vom letzten mal noch gespeichert hatte problemlos in der stockdunklen Nacht Anker werfen.

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Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Dinghi auf Erkundungstour. Das Wetter war hochsommerlich heiss, als wir unter dem Fährsteg anlegten. Bereits nach wenigen Metern hatten wir Durst und mussten in einem der hübschen Strandlokale einkehren.

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Ausser ein paar schrottreifen Traktoren gab es auf dieser Insel keine Autos und so konnten wir die hübsche Ortschaft bequem zu Fuss erkunden.

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Über einen vor Hitze glühenden Boardwalk gelangten wir auf die andere Seite der Insel und dort lag ein traumhafter Strand, an dem sich noch ein paar wenige Touristen sonnten.

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. . .

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Wir wanderten dem Strand entlang bis zu einem Pfad, der uns zu einer Lagune führte. Dort lagen einige abenteuerlich anmutende Boote trocken. Das wollten wir uns genauer ansehen.

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Als wie in die Lagune einstiegen, kamen zwei Störche angetrottet. Wie angewurzelt blieben wir stehen, um sie ja nicht zu verscheuchen. Aber die liessen sich nicht aus der Ruhe bringen und grasten seelenruhig ihr vom Wasser freigelegtes Mittagsbuffet ab.

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36°59’28.74″N / 7°50’10.77″W Lagune des Ria Formosa

In einem weiten Bogen umwateten wir die Störche und schauten uns ein bisschen um. Die meisten Boote hier waren Katamarane, die schon länger hier zu liegen schienen.

Überhaupt schien das ein Ort für Aussteiger zu sein. Die Lagune schien wie eine kleine Gemeinde zu funktionieren abseits der Gemeinde. Jeder kannte jeden. Manche hatten ihre Boote mit selbstgebauten Hütten vergrössert, manche waren direkt in eine Wellblechhütte gezogen, ohne jeglichen Komfort.

Aber wer braucht schon einen Fernseher bei dieser Aussicht…

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Danach machten wir uns auf den Rückweg und wieder mussten wir Notfallmässig ein Bierchen/Cyderchen zu uns nehmen um es noch bis zu unserem Boot zurück zu schaffen. Es war immer noch fast 30° warm.

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Danach ging es am Natur Fischereihafen vorbei wieder zurück zum Dinghi. Dieser Ausflug hatte sich wirklich gelohnt. Diese Insel hatte einen besonderen Charme. Sie war übrigens von Faro aus mit der Fähre erreichbar. Schweren Herzens tuckerten wir zu unserem Boot zurück.

Der Moment war gekommen. Wir brachen zu unserem letzten Schlag von diesem Jahr auf. Unser Ziel war Portimão, wo wir AnnaSophie für den Winter einstellen würden, hach…

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Am späten Nachmittag lichteten wir Anker und wurden dank der auslaufenden Strömung durch die holprige Hafeneinfahrt gespült. Hier fiel das Wasser genau bei der Einfahrt von 10 Metern auf 40 Meter und dann wieder auf 20 Meter. Das war eine ordentliche Bodenwelle, das konnte man schon an der Oberfläche sehen – und spüren.

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Der Wind hatte sich gut gehalten aber am Abend war dann plötzlich Schluss. Wir mussten Segel bergen. Schade, gerne wären wir in den Sonnenuntergang gesegelt. Aber eben, die Thermik…

Bevor die Sonne unterging, gab es dann aber wieder ein Sunset Dinner und anschliessend tollten noch ein paar Delfine um uns herum!

Das Säuseln des Windes, das Rauschen des Meeres, die Farben!! Ich versuchte, mir das alles in meinem Gedächtnis einzubrennen, damit ich dann im Winter davon zehren konnte…

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Und dann kam plötzlich wieder Wind auf und wir liessen es uns nicht nehmen, noch ein letztes mal AnnaSophie’s Flügel auszubreiten und durch die Nacht zu fliegen. Wahrlich, ein würdiger Abschied!

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