Nicht ohne meinen Pass. Leider.

Marokko – so nah und doch so fern…

Ich wollte ja noch von unserem Trip durch die Strasse von Gibraltar berichten. Also das war so:

20150916-01Hier schon mal eine Übersichtsgrafik über die zurückgelegte Strecke…

Wir hatten ja geplant, von Barbate aus direkt nach Smir in Marokko zu segeln. Und am Morgen vor der Abfahrt fragt mich Max, ob ich meinen Pass griffbereit hätte.

…Pass?!?

Oh NEIN! Ich hab meinen Pass ja gar nicht mit dabei! Ich reise seit Jahren nur noch mit meiner Identitätskarte. Was für ein Desaster! Ich kann nicht mit nach Marokko.

Wir begannen, alle möglichen Szenarien durchzuspielen, informierten uns im Internet über die Einreisebestimmungen, suchten alternativen – auch illegale. Aber das Resultat war immer das gleiche: ich konnte nicht nach Marokko einreisen ohne Pass. Die Jungs mussten ohne mich dahin.

Dann suchten wir einen Ort wo sie mich einfach abladen und wieder aufladen konnten. Tarifa? Und ich mit dem Bus nach Gibraltar wo ich die beiden erwarten würde: wäre möglich. Aber dann müssten die Zwei die Strasse von Gibraltar zwei mal allein machen. Gibraltar? Zu weit der Umweg. Und dann kam mir plötzlich die Idee: Ceuta! Das war’s. Die spanische Exklave liegt bereits jenseits der Strasse von Gibraltar und ist nur 15 Km entfernt von Smir. Dort könnte ich warten bis die beiden aus Marokko zurück sind und wir könnten die anspruchsvolle Strecke durch die Strasse von Gibraltar zu dritt machen.

Wir haben dann online schnell ein Hotel gebucht für mich in Ceuta und schon bald ging’s die Reise los.

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Aber erst herrschte mal Flaute. Da half nicht mal Speedy Geni. Fredy nutzte die Zeit, um endlich mal unsere Schleppleine auszuprobieren, die seit Norwegen ungebraucht in einer Ecke gelegen hatte.

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Als Fredy auffiel, dass immer mehr Seegras herumtrieb, holte er die Leine wieder ein. Und tatsächlich! Statt zarter Fische hing zähes Seegras an der Angel. Das war wohl nix.

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Als wir uns der Strasse von Gibraltar annäherten, tauchte plötzlich die marokkanische Küste aus dem Dunst hervor. WOW! Da wollten wir hin. War doch ganz einfach, oder?

Offenbar nicht für alle, denn schon als wir losfuhren hörten wir via Funk, dass ein völlig überladenes Gummiboot mit unbekannter Position umhertreibe und dass man sofort Meldung machen sollte, wenn man etwas davon sähe…

Das war Unglaublich. Flüchtlingsproblematik live aus dem Funkgerät. Tausend Gedanken rasten uns durch die Köpfe. Was sollten wir tun, wenn wir tatsächlich ein Flüchtlingsboot sehen würden? War es richtig oder Falsch, Personen aufzunehmen? Mit einem mulmigen Gefühl und kritischen Rundumblicken setzten wir unsere Reise fort.

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Der Wind hatte inzwischen aufgefrischt und wir setzten Segel. Leider war der Wind aber wieder mal gegen uns und wir mussten aufkreuzen. Dabei galt es ohne Schaden zwischen all den Tankern und Frachtern hindurch auf die andere Seite zu gelangen. Und das unter Segeln.

20150916-06Aber wir hatten ja zum Glück sechs Augen an Bord und auch das AIS half uns enorm, die Geschwindigkeit und die Fahrtrichtung dieser Ungetüme richtig einzuschätzen.

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Zwischendurch gab es auch Momente entspannten Schönwettersegelns und als und einfiel, dass unser Cousin Peter ja heute Geburtstag hatte, brachten wir sogar ein schaukeliges Selfie zustande. Aber offenbar waren wir schon ausser Reichweite und so kam das Ding leider nie an.

Also Peter, wie du siehst, haben wir deinen Geburtstag nicht vergessen und hiermit gratulieren wir dir an dieser Stelle nachträglich nochmal herzlich zum Geburtstag!!

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Irgendwann hatten wir die Marokkanische Küste erreicht und per Funk wurde immer noch nach dem Gummiboot mit den Flüchtlingen gesucht. Auch die Spanische Rettungskreuzer war unterwegs.

Irgendwann fiel uns auf, dass der Kreuzer immer parallel zu uns fuhr. Irgendwann funkten sie uns dann an und wollten von uns wissen, ob wir irgendetwas verdächtiges gesehen hätten. Wir konnten aber nur von einem Fischerboot mit zwei Mann berichten. Denen waren wir noch vor kurzem ausgewichen. Wir gaben deren vermutete Position durch und sie bedankten sich und verschwanden wieder.

20150916-09Aber dann kam endlich Ceuta in Sicht und bald schon stand ich am Pier und Max und Fredy legten wieder ab.

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Noch ein kurzes Winken und weg waren sie. Ach, das war das erste mal, dass ich mein Schiff wegfahren sah. Das war gar nicht lustig. Seufzend buckelte ich meinen Rucksack und machte mich auf Richtung Hotel.

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Die Überraschung war gross als ich feststellte, dass ich von meinem Hotelzimmer aus bis fast nach Smir sehen konnte.

Und als mir Max eine SMS schickte und mir meldete, dass sie jetzt dann gleich vorbeifahren würden, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf: das Schiffchen am Horizont war tatsächlich AnnaSophie auf dem Weg nach Smir…

20150916-12Und schon bald hatten die zwei ihr Ziel erreicht und lagen in der Marina von Smir am Pier.

Am nächsten Morgen bestiegen die Zwei ein Taxi, das sie schon am Abend vorher bestellt hatten und fuhren nach Tanger…

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20150916-15Dort erkundeten sie verschiedene Stadtteile…

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…einen Souk…

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…und besuchten ein typisches Lokal, in dem sie kulinarisch offenbar voll auf ihre Kosten kamen.

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Ich war in der Zwischenzeit auf Entdeckungstour durch Ceuta…

20150916-19…einer sehr geschichtsträchtigen Stadt, die erst zu Marokko, dann zu Portugal und dann zu Spanien gehörte.

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Die Stadt war wirklich eine aussergewöhnliche Mischung aus vielerlei Kulturen.

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Am nächsten Tag war schon wieder Abschied nehmen angesagt und AnnaSophie war bald Startklar.

20150916-23Und kurz vor Mittag erreichten die beiden die Marina von Ceuta und ich sprang freudig wieder auf und wir machten uns auf den Weg Richtung Gibraltar.

Ob diese Überfahrt wohl auch so spannen werden würde…?

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