Gut Ding will Meile haben

Das ist A Coruña. Gleich hinter dieser Mole liegt die Marina Coruña, wo wir am vergangenen Samstag Morgen um vier Uhr endlich anlegen konnten. Und somit steht es 2:1 für die Biskaya.

Wir haben es auch beim zweiten Anlauf nicht geschafft, bis nach A Coruña durchzusegeln. Aber dafür im Dritten, und wie!! Und das kam so.

20150810-02Da wir uns Ribadeo noch ein wenig genauer angeschaut hatten, hatten wir erst spät abgelegt und als wir den Leuchtturm der Ila Pancha passiert hatten, sah es eigentlich noch ganz gut aus.

20150810-03Aber schon nach kurzer Zeit war der Wind nur noch ein Lüftchen. Da half nicht einmal mehr der Gennaker. Die Luft war definitiv draussen. Sogar die Möven dümpelten nur gelangweilt auf dem Wasser. So würden wir es nie nach A Coruña schaffen.

20150810-04Später kam dann doch noch ein Lüftchen, aber wir hatten bereits beschlossen, in Vivero Halt zu machen, von dem uns ein Engländer erzählt hatte, dass es so schön sei.

20150810-05In der Einfahrt in die Bucht von Vivero und nach 40 Seemeilen strichen wir die Segel. Andere waren da beharrlicher…zum Glück, denn so kam ich zu diesem schönen Foto Sujet.

20150810-06Als wir in die Marina von Vivero einfuhren, war es Nacht gewesen. Und überall hatten sich Horden von Fischern entlang der Quaimauern niedergelassen. Ob die erfolgreich waren wissen wir nicht. Es sah nicht danach aus. Am nächsten Morgen schwammen jedenfalls die Fische wieder einmal putzmunter im Marinabecken und um unser Schiff herum auf der Suche nach Essbarem, wohlwissend dass hier das Fischen verboten war.

20150810-07Danach ging es noch auf einen Besuch ins Städtchen. Vivero war wirklich sehr hübsch.

20150810-08Ich musste grinsen, als ich die Katze von dem Schild leibhaftig durch die Gassen ziehen sah.

20150810-09Und diese Eingangstür fiel mir besonders auf. Sie war mit goldenen Schildchen beschlagen. Was die wohl zu bedeuten hatten? Ob hier eine Hexe wohnte? Eine Heilerin? Leider kann ich kein Spanisch und so konnte ich niemanden Fragen. Auch sonst fielen mir die vielen liebevoll gestalteten Hausfassaden auf.

In einer Tapas Bar stillten wir noch den kleinen Hunger und machten uns dann wieder auf den Weg zurück aufs Schiff.

20150810-10Und um halb vier verliessen wir die Bucht von Vivero. Und kaum hatten wir die Segel gesetzt, waren wir schon im Tiefflug unterwegs. Was für ein Unterschied zu gestern!

20150810-11Aber bald schon frischte der Wind heftig auf und die Wellen wurden immer grösser. Und der Skipper immer nasser (jaja, da lacht er noch).

20150810-12Und leider hatte sich der Wind wieder einmal nicht an die Voraussagen gehalten und kam nicht aus Nordosten, sondern aus Südwesten. Na bravo, es würde also nichts werden mit einem gemütlichen vor dem Wind ans Ziel segeln sondern ein Kampf um jedes Grad hoch am Wind.

20150810-13Der Wind pfiff uns mit fast 60 Km/H um die nassen Ohren und die 4-Meter Wellen verschluckten immer wieder mal den Horizont. Wir gaben alles, damit wir nicht wieder zum Pingpongball einer launischen Natur wurden.

20150810-1443°46’42.66″N /7°52’8.25″W

Das ist die Landspitze bei Cariño. Wie unpassend. Wir tauften die Ecke Kap Hoffnungslos. Weil wir zwei Schläge extra machen mussten um an den bissigen Zacken vorbeizukommen. Das war ein zähes Ringen…

20150810-15Und irgendwann hatten der Wind wohl erbarmen mit uns und drehte auf Westen und wir konnten mit schönem Halbwind so richtig gas geben. Einmal zeigte die Geschwindigkeit kurzzeitig sogar 11 Knoten an, WOW!

20150810-16Aber die Wellen waren immer noch schauderlich. Mir tat das Boot richtig leid, wie es immer wieder brutal auf die Wellen donnerte. Und wieder einmal war ich froh dass ich ein 12 Tonnen schweres Boot unter meinem Hintern hatte. Ich wollte mit lieber nicht vorstellen, wie das bei diesen Bedingungen in einem leichteren Boot gewesen wäre, uiuiui…

20150810-17Auch der schöne Sonnenuntergang konnte uns ausnahmsweise nicht wirklich verzücken, wir waren immer noch schwer an der Arbeit.

Bald war es dunkel und jetzt konnte man die Wellen nicht mehr sehen und so knallten wir erst recht von einem Wellenberg zum nächsten. Würde das nie enden? Unsere einzige Hoffnung war, dass wir auf Vorwindkurs gehen konnten, sobald wir Cabo Prior gerundet hatten. Der Weg dahin schien uns endlos, als ob die Zeit stehen geblieben wäre.

Endlich hatten wir Cabo Prior erreicht und änderten den Kurs und versuchten, die Segel auf Vorwindstellung, den sogenannten Butterfly zu bringen. Aber das war unmöglich, denn jetzt kamen die Wellen genau von der Seite und der Baum und die Segel schlugen wild um sich.

Frustriert bargen wir die Segel (Bei dem Wellengang und mitten in der Nacht nicht lustig) und legten den Rest der Strecke unter Motor zurück. Vorsichtig machte ich mich daran, im Salon – in dem es inzwischen aussah wie im Krieg – aufzuräumen. Wenigstens war diesmal nichts zu Bruch gegangen.

20150810-18Um 3:30 Uhr liefen wir endlich in der Marina Coruña ein. So musste es sich anfühlen, 12 Stunden lang Flamenco getanzt zu haben. Das begossen wir aus Trotz mit französischem Champagner, mmmmm, war das fein. Und um Punkt 4:00 Uhr war bei uns Filmriss.

20150810-19

4 Kommentare
  1. Ein Hoch auf den Skipper, der heute (13.8.) Geburtstag hat! Wünsche eine gute Weiterfahrt, Wind, gnädiges Wetter und gute Gesundheit.
    Prost ! Herzliche Grüsse Barbara

    1. Hallo Barbara, wir waren heute schon unterwegs und sind wieder umgekehrt (siehe Blogbeitrag).
      Herzlichen Dank von Max für die guten Wünsche. Er hatte wieder mal sein Handy verlegt…
      Liebe Grüsse an Alle!!

  2. Happy Birthday lieber Max, mit den besten Wünschen, dass du weiter mit soviel Kraft und Verstand eure Yacht steuerst.

    Es sind sensationelle Kommentare die ihr “Doris” mit Bildern sendet. Mit Begeisterung kann ich euren Törn mitverfolgen. Aber auch mit etwas Wehmut verfolge ich die tolle Reise, weil ich nicht mit dabei sein kann.

    Ich habe mich sehr gut von meinem Salto am 6. Juni erholt. Den ersten Test mit Langezeit- und Belastungs EKG und Ultraschall von Herz und Gefässen ergaben keinerlei Anzeichen auf Schwäche oder anderen negativen Erkenntnissen. Danach war ich an 2 Tagen noch beim Neurologen, der ebenso keine Anzeichen von gestörtem Verhalten der Hirnströme und anderen Schwächen feststellen konnte. Ich hatte bis zu dem letzten Test einige Bedenken, sogar Angst, dass etwas nicht mit mir stimmt. Der Neurologe hat sich viel Zeit mit mir genommen, um heraus zu finden was die Ursache meiner Bewusstlosigkeit hätte sein können. Nun hoffe ich, das sowas nie mehr passiert. Nun werde ich nie mehr an praller Sonne während der Mittagszeit ohne Kopfbedeckung herum laufen.

    Meine 2te Erfolgsgeschichte hat sich endlich vor 2 Wochen ergeben. Aree aus Thailand wohnt nun für 90 Tagen bei mir. Sie ist eine vorzügliche Person. Wir sind viel im Garten und reisen an anderen Tagen umher. Morgen sind wir für einige Tage im Tessin, da hier das Wetter schlechter wird. Ich kann mir nicht vorstellen, noch mit euch gemeinsam auf der AnnaSophie zu verweilen. Die Reise zu Euch ist mir doch zu weit. Ausserdem müsste Aree eine neue Kleidungsausrüstung haben.

    Mit den besten Wünschen für eure weiteren Ziele und schönen Erlebnissen grüsse ich

    euer Manfred

    1. Hallo Manfred! Schön zu hören dass es dir wieder so richtig gut geht! Und dass das mit Aree’s Besuch doch noch geklappt hat, freut uns auch. Aber schade ist es schon, dass du uns nun nicht mehr besuchen kommst. Aber vielleicht ergibt sich ja ein anderes mal einen Gelegenheit für dich, wieder mal mit uns mitzusegeln. Wir wünschen dir auf jeden Fall noch eine gute Zeit und wer weiss, vielleicht gibt’s ja für uns wieder mal ne Paella bei dir zu Hause???
      Liebe Grüsse
      Max & Doris

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