Irre Fahrt im Nebel

48° 2’27.02″N / 4°50’56.14″W                               Ankerplatz L’Ile de Sein.
Nebel lag wie ein schützender Schal um die Insel. Und irgendwo da hinten in der Bucht lag AnnaSophie vor Anker (Bild vergrössern und suchen).

20150717-02Am Mittwoch Morgen hatten wir mit dem Dinghi (Beiboot) zur Ille de Sein übergesetzt, um uns dieses schöne Stück Land ein wenig näher anzusehen. Da Ebbe herrschte, mussten wir uns kurz vor der Mole über Steine schiebend und schaukelnd bis zur Rampe vorarbeiten.

20150717-03Gleich zuvorderst stand der imposante Leuchtturm Men-Brial.

20150717-04Neugierig durchkämmten wir die engen Gassen und entdeckten eine liebevoll gepflegte kleine Ortschaft, die knapp so gross war wie die Insel selbst.

20150717-05In der Kirche zum Beispiel entdeckten wir eher ungewöhnliches Dekor und fanden heraus, dass zwar nicht AnnaSophie aber doch zumindest Anna hier die Schutzpatronin dieser Seefahrer- und Fischergemeinschaft war.

20150717-09Wir entdeckten einen kleinen Dorfladen, in dem wir frische Baguette und sonst noch einiges kaufen konnten. Auch Kontakt mit einigen Kindern konnten wir schliessen, die ihre Ferien hier auf dieser wilden Insel verbrachten. Und die schienen sich ausserordentlich wohl zu fühlen in dieser kargen Landschaft. Einfach beneidenswert.

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20150717-07City Sightseeing macht natürlich durstig und so genossen wir Cidre und Bier mit Aussicht auf die inzwischen gänzlich trocken gefallene Ankerbucht. Und keine Angst, das ist nicht unser Schiff, das da im Hintergrund im Schlamm steckt. AnnaSophie hatte weiter hinten immer noch die berühmte Handbreit Wasser unter dem Kiel (Wenn das nicht so wäre, würde der Skipper nicht so locker sein Bier geniessen).

20150717-11Irgendwann ging’s dann zurück zum Schiff, wo uns der Delphin von gestern noch eine kleine Abschiedsvorstellung gab. Schweren Herzens lichteten wir den Anker, hissten die Segel, legten Kurs an und sagten Adieu zu diesem kleinen Juwel im Atlantik.

20150717-12Und bald schon sah es rund um uns so aus…

20150717-13Knüppeldicker Nebel hatte unser Boot verschluckt. Und nein, Claudia bläst hier keinen Marsch gegen die Langeweile sondern meldet mit Hilfe des Nebelhorns potenziellen Kollisionspartnern unsere Postition.

Nein, Spass beiseite, das war nicht lustig. Mit einem unangenehmen Kribbeln im Nacken und mit Hilfe sämtlicher zur Verfügung stehender Mittel kämpften sich Crew und Schiff Stundenlang bis zum nächsten Ziel, dem kleinen Hafen von Lesconil durch. Und auch der Nebel hielt wacker und zäh bis genau vor der Hafeneinfahrt durch.

20150717-14Anlegen im Hafen und Schiff klarieren: manchmal hilft nur noch Beten zum Mastgott…

Kaum hatten wir angelegt, als sich ein Schiff der berühmten Segelschule „L’école de voile des Glénans“ in die Lücke neben uns quetschte. Schiffe zusammenbinden verbindet und schnell kamen wir ins Gespräch. Und als wir feststellten, dass einer der Schüler aus der Schweiz war…

20150717-15…führte das irgendwie zu einen geselligen Abend, an dem wir unseren Gästen Wein aus der Schweiz kredenzten und sie uns mitgebrachten Rhum mit Limonen einschenkten. Und ich weiss nicht wieso, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie das Getränk hiess.

20150717-16Am nächsten Morgen hiess es dann Abschied nehmen und während sich die Crew der Segelschule anschickte, sich ihren Navigationsaufgaben zu widmen, blieben wir noch gemütlich sitzen um uns der frischen Baguette zu widmen, die Barbara und Claudia in der Boulangerie gekauft hatten.

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20150717-18Anschliessend erkundeten wir noch das Städtchen mit seinen traumhaften Stränden. Und nicht nur wir suchten Kühlung im erfrischenden Wasser.

Aber dann hiess es auch für uns „Leinen los“ und wir liessen uns vom Wind unserem nächsten Ziel entgegen schieben.

20150717-19Was für ein wundervoller Tag! Nach all dem Nebel und den Wolken! Und wie immer war die Work-Life-Balance auf unserem Boot ausgezeichnet.

20150717-20Und so genossen wir den friedlichen Tag auf dem Meer in vollen Zügen.

20150717-21Doch mit der Ruhe war es abrupt vorbei, als wir in unserem Pfad einen umgestürzten Katamaran entdeckten, dessen Crew uns eine Notsituation signalisierte. Au Weia! Schnell borgen wir die Segel und vorsichtig näherte sich Max an. Wir konnten sehen, dass sich drei Personen an den Katamaran klammerten, darunter ein kleiner Junge von etwa 11 Jahren. Und dem stand die Panik gross im Gesicht geschrieben. Sie konnten uns mitteilen, dass sie den Katamaran in dem inzwischen auf Starkwind aufgefrischten Wind nicht mehr aufrichten konnten und hofften, dass wir ihnen helfen könnten, das Ding wieder auf die Kufen zu stellen.

Natürlich würden wir versuchen, ihnen zu helfen! Zuerst borgen wir den inzwischen vor Kälte zitternden Jungen ab (das Wasser war 17° frisch) und wickelten ihn in unsere Frotteetücher und Decken. Von den Jungen erfuhren wir, dass die zwei anderen Personen sein Vater und seine Schwester waren. Und während sich Claudia um den Jungen kümmerte, versuchten Max, Barbara und ich, den verbleibenden Zwei eine Leine zuzuwerfen. Das war gar nicht so einfach, denn inzwischen waren die Wellen und der Wind markant angestiegen. Ausserdem drifteten wir allesamt immer mehr gegen Land.

Mit waghalsigen Manövern, bei denen sich die Boote gefährlich nahe kamen, gelang es uns irgendwann, den Kat Seglern eine unserer Festmacherleinen zuzuwerfen. Nachdem die Segler die Leine an ihrem Katamaran befestigt hatten, versuchte Max den Kat wieder aufzurichten. Der Kat richtete sich zwar auf, aber kippte sofort wieder auf die andere Seite. Dieses Manöver versuchten wir immer wieder und mussten schliesslich aufgeben. Der Wind war einfach zu stark. Und auch die auf dem Kat verbliebenen schienen bald keine Kraft mehr zu haben.

20150717-22Ein ebenfalls zu Hilfe geeiltes Motorboot wurde dann losgeschickt, um den Vermieter des Kats zu informieren. Wir entschlossen uns inzwischen, die Segler auch an Bord zu nehmen und den Kat abzuschleppen. Als alle Personen bei uns an Bord waren und wir den Kat im Schlepptau hatten, kam der Vermieter angebraust und schlug vor, die drei Pechvögel an Bord zu nehmen, den Kat wieder aufzurichten und abzuschleppen.

Und siehe da, das Ding stand im nu wieder auf den Kufen und nachdem sich die Drei vor Kälte zitternd bei uns bedankt hatten und auf’s Motorboot des Vermieters umgestiegen waren, konnten auch wir unsere Fahrt fortsetzen und fuhren wenig später – das Erlebte heftig diskutierend – in den Hafen von Concarneau ein.

Und dort, kurz vor der Einfahrt, wartete schon die nächste Überraschung. Wir bemerkten plötzlich, dass sich viele Schaulustige auf den Stegen rund um die Einfahrt versammelt hatten und gebannt ins Wasser starrten.

20150717-28Und dann sahen wir es auch! Ein Delfin schwamm seelenruhig von einem Boot zum andern und begrüsste offenbar jeden Neuankömmling persönlich. Via Funk wurden wir angewiesen, bei der Einfahrt in den Hafen auf den Delfin Rücksicht zu nehmen. Verspielt tauchte das Tier auch unter unserem Boot durch, bevor er sich dem nächsten Boot widmete.

Von einem Angestellten der Marina erfuhren wir, dass es sich bei dem Delfin um ein Männchen handelte, das seit Jahren im Sommer der Marina von Concarneau einen Besuch abstattete. Und ich dachte schon, ich hätte bald alles gesehen…!

20150717-23Praktischerweise war das pittoreske, in einer Burganlage liegenden Städtchen Concarneau in Gehdistanz der Marina.

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20150717-25Das mittelalterliche Städtchen lud zum Bummeln und die vielen kleinen Geschäfte luden zum shoppen ein. Hier kam vermutlich die eine oder andere Kreditkarte ins glühen!

20150717-26Anschliessend machten wir uns hungrig über vier Portionen Moules et Frites her. Und da wir ja noch den heutigen Einsatz als Rettungsmannschaft begiessen mussten, gab es dazu – alle Neider JETZT weglesen – du Champagne!!

20150717-27Und so sehen zufriedene Kunden von Mad Max Adventure Tours aus…!!

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